Route Pazifik - Küste


Gesamtreisezeit:   74 Tage  (12. Sept. - 24. Nov. 2000)

Gesamtstrecke:    5'174 km  (3'234 miles)

Route:
Tyhee Lake P.P. - Prince George - "Jasper N.P. / Icefield Parkway" - Waterfowl Campground / Banff N.P.- "Banff N.P." • "Lake Louise" • "Yoho N.P." • "Glacier N.P." • " Mt.Revelstoke N.P." - Salmon Arm - Narin Falls P.P. - Vancouver - "Ferry Keystone - Port Townsend" - Hoodsport - Nehalem Bay S.P. - South Beach S.P. - Yachats - "Oregon Dunes Natl.Rec.Area" - Humbug Mountain S.P. - Redwood S.P. - "Redwood N.P." • "Newton B. Drury Scenic Parkway" • "Avenue of the Giants" - MacKerricher S.P. - "Highway 1" • "Sonoma Valley" - Cloverdale - Rohnert Park - San Francisco/San Leandro - "Big Sur Highway" • "Julia Pfeiffer Burns S.P." - Kirk Creek S.P. - "Piedras Blancas Point" • "Hearst Castle Visitor Center" - San Simeon S.P. - Bakersfield - Hemet - "Joshua Tree N.P." - Los Angeles - Blythe - Glendale/Phoenix

Karte Route  Pazifik - Küste

Wir geniessen die zwei gemütlichen Tage auf der Inside-Passage-Fähre von Haines nach Prince Rupert und freuen uns auf den bevorstehenden, leider letzten Teil unserer Reise. Der nächtliche Weg von der Fähre bis zum Campground, etwas ausserhalb von Prince Rupert, erscheint uns endlos. Wahrscheinlich ist es die bleierne Müdigkeit, die uns so langsam aber sicher zu schaffen macht und wir sind froh, als wir im Scheinwerferlicht endlich das Provincalpark-Schild erkennen können.

Auf dem Yellowhead Highway 16 geht es am frühen Morgen in zügiger Fahrt weiter Richtung Südosten und wir staunen nicht schlecht, als wir auf dem wunderschönen Provincalpark-Campground Bekanntschaft mit einem ungebetenen Gast machen (siehe Pazifik-Küste / Ein ungebetener Gast). Nachdem wir unseren Besuch erfolgreich abgewimmelt haben, geht unsere Fahrt weiter Richtung Jasper- und Banff Nationalpark. Das gelbe Herbstkleid der Blätter und die leuchtenden Farben der Blumen begleiten uns und diesmal werden wir auf unserer Fahrt über den Icefield-Parkway mit traumhaft schönem und warmem Herbstwetter belohnt. Wir ziehen vorbei an den imposanten Gletschern, den kristallklaren Bergseen und erfreuen uns ob dem sagenhaften Bergpanorama. Langsam bekommen unsere Körper wieder Normaltemperatur, denn am Morgen ist es im über 2'000 Meter hochgelegenen Nationalpark-Campground lausig kalt. Das Thermometer zeigt gerade mal 3 Grad Celsius (Brrrrrrr....)!

Etwas früher als geplant treffen wir bei unseren Freunden Lisa & Andy in Salmon Arm ein. "Welcome friends at the Viewpoint Motel!" Mit diesen Worten und einem Glas Rotwein werden wir von unseren Freunden begrüsst. Die herzliche Begrüssung der beiden lässt uns sofort fühlen, dass wir hier auch diesmal wieder willkommen sind. Wir haben natürlich viel von unserer Alaska-Reise zu erzählen und lassen uns wie immer von Lisa's Kochkünsten und Andy's Rotwein verwöhnen. Für Unterhaltung ist auch diesmal wieder reichlich gesorgt und wir dürfen mit einigen äusserst liebenswürdigen Leuten Bekanntschaft schliessen. Nach gut 14 Tagen heisst es wieder einmal Abschied nehmen. Noch lange schauen wir zurück und winken den beiden zu, bis das Viewpoint Motel schliesslich nur noch als winziger Punkt zu erkennen ist. Ich werde mich nie ans Abschied nehmen gewöhnen!

Von nun an sind wir wieder mit beiden Fahrzeugen unterwegs. Marco ist happy, dass er seine Goldwing wieder hat und ich habe somit das Steuer von "Little Sunshine" wieder alleine fest im Griff. Über die Lillooet Range fahren wir hinunter ins Pemberton Valley, wo uns in der Nacht vor lauter Schrecken fast das Blut in den Adern gefriert (siehe Pazifik-Küste / Der vermeintliche Überfall). Völlig übermüdet fahren wir am Morgen weiter auf dem Sea -to-Sky-Highway, durch den Nobel-Ski-Ort Whistler, hinunter nach Vancouver, wo wir von reichlich Verkehr empfangen werden.

Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zur USA-Grenze und einmal mehr meistern wir den Grenzübertritt absolut problemlos. Für Marco ging das alles wohl ein bisschen zu schnell, denn als wir nach der Grenze auf der Autobahn weiter düsen, werde ich fast närrisch, wie langsam er dahinschleicht - "s'chrücht es Schnäggli, s'chrücht es Schnäggli ..." Statt der erlaubten 55 miles/hr (ca. 90 km/h) fährt er gerade mal 35 miles/hr (ca. 55 km/h). Mir stinkt es ganz einfach hinter ihm her zu hötterln und so stelle ich nach einer Weile völlig entnervt den Blinker, trete auf's Gaspedal und ziehe an ihm vorbei. Es dauert gar nicht lange, da kommt er kopfschüttelnd hinter mir her gerast und macht mich darauf aufmerksam, dass ich wieder einmal viel zu schnell fahre. Jetzt hilft nur noch subito Aufklärung. Ich kurble das Fenster hinunter und schreie zu ihm hinüber: "Welcome to USA, hier gelten statt Kilometer/h wieder Miles/hr!" Kling! Jetzt fällt auch bei meinem Käfer der Groschen und er düst auf seiner Goldwing ab wie ein geölter Blitz.

Um lausige fünf Minuten verpassen wir in Keystone die Fähre welche uns hinüber nach Port Townsend bringt. Alles halb so schlimm, die nächste fährt in 40 Minuten und so nutzen wir die Zeit, für ein herrliches Sonnenbad. Weiter geht's durch den Olympic Natl. Forest und über Astoria hinunter zur Pazifik-Küste. Endlich wieder an der Pazifik-Küste! Wir finden einen tollen Statepark-Campground und machen es uns gleich für zwei Tage gemütlich. Lange Wellen rollen über den breiten Sandstrand und am liebsten würden wir sofort die Klamotten vom Leib reissen und uns in die Fluten stürzen. Doch so verlockend das Wasser auch aussieht, für ein Bad ist es um diese Jahreszeit viel zu kalt. Gerade als sich die Sonne über die Horizontlinie schiebt, spazieren wir am Strand entlang, ziehen Schuhe und Socken aus und nehmen - natürlich laut kreischend - mindestens ein Fussbad in den eiskalten Pazifikfluten. Obwohl es am Abend ziemlich abkühlt, sitzen wir noch lange draussen am Feuer, trinken Tee und beraten uns über die Weiterfahrt.

Es ist nur eine kurze Etappe bis hinunter nach Yachats, einer unserer Lieblings-Orte an der Oregon-Coast. Hier tost sich der an der Küste brechende Pazifik ganz besonders eindrucksvoll aus und wir sehen stundenlang diesem imposanten Naturschauspiel zu. Doch die von Norden hereinbrechende Schlechtwetterfront lässt uns zügig weiterziehen. Über Bandon - wo sich Marco in der Käsefabrik wieder einmal genüsslich an den Käse-Versüecherli labt - geht es weiter Richtung California. Hier in den Küstenwäldern wachsen die gigantischen Redwood-Bäume mit der wunderschön rotbraunen Rinde. Einige von ihnen ragen fast 100 Meter weit in den Himmel empor, während andere einen Durchmesser erreichen, dass man wie bei einem Tunnel mit dem Auto hindurchfahren kann. Ganz besonders gut gefällt uns die Avenue of the Gigants, die mitten durch den von Redwood-Bäumen gesäumten Wald führt. Auf einem sehr ausgedehnten Klippen-Spaziergang erkunde ich im MacKerricher State Park die faszinierende Meereswelt und ich mache prompt Bekanntschaft mit einem sehr faulen Gesellen (siehe Pazifik-Küste / "Du weisch do ganz genau... !").

Immer weiter südlich führt uns die Strasse der Küste entlang. War eben die Sicht noch gut, sind wir plötzlich von grauen Nebeln umgeben. Wie ein grauer Schleier wälzt sich eine dichte Nebelwand auf uns zu und wir tasten uns im Blindflug weiter Richtung Süden. Durch den Hippie-Ort Mendocino fahren wir weiter, um bald links Richtung Sonoma und Napa Valley abzubiegen. Je südlicher wir kommen, desto wärmer wird es und nur wenige Meilen landeinwärts ist der Himmel wieder klar. Aus dem eintönigen Nebelgrau lösen sich die riesigen Obst- und Weinplantagen des Sonoma Valley's.

Warmer, trockener Wind weht uns ins Gesicht und um unsere trockenen Kehlen wieder etwas zu schmieren halten wir an und ich spendiere Marco eine eisgekühlte Cola aus dem Bord-Kühlschrank. Mit über 25 ° Celsius herrschen hier hochsommerliche Temperaturen und wir fühlen uns beide puddelwohl. Über die gewaltige Richmond Bridge gelangen wir schliesslich nach San Leandro/San Francisco. Die gut 8 km lange, zweistöckig und 5-spurige Richmond Bridge ist Brückenbaukunst pur. Der angebrochene Tag bietet sich für eine Stadtrundfahrt geradezu an. Wir fahren über die Richmond Bridge zurück in den Stadtteil San Rafael, biegen dann ab Richtung Süden und halten geradewegs auf die Golden Gate Bridge - das Wahrzeichen von San Francisco - zu. Dicke Nebelfetzen fegen über uns hinweg und Sonne und Dunst wechseln sich ab und verdecken uns immer wieder die Sicht auf die rot-braune Golden Gate Bridge. Derbe Löcher und Ölspuren sind der absolute Albtraum jedes Motorradfahrers, doch genau diese gibt es leider an der Zahlstelle der Golden Gate Bridge zu genüge. Freundlicherweise macht uns die nette Lady im Kassenhäuschen darauf aufmerksam: "Watch out guys, it's very slippery!" Über die krümmste Strasse der Welt - die kuriose Lombard-Street - kurven wir hinunter zur Fisherman's Wharf und dann über die gigantische Bay Bridge zurück nach San Leandro.

Wir geniessen die Tage in San Francisco in vollen Zügen, doch der Gedanke an den bevorstehenden, wunderschönen Küstenabschnitt, lässt uns weiterziehen. Auf dem Highway 101 düsen wir weiter in Richtung Monterey um dann kurz hinter Carmel auf die Traumstrasse, den Big Sur Highway, abzubiegen. Ein laues Lüftchen säuselt Marco ins Gesicht und um meine Nase streicht eine herrliche Brise Pazifikluft. Wir schlängeln uns auf dem Highway 1 weiter südwärts und unser Tag könnte nicht schöner sein. Pünktlich zum romantischen Sonnenuntergang erreichen wir den wunderschönen Kirk Creek Campground. Wir organisieren uns schleunigst ein paar Büchsen Cola um den Abend beim Blick über den Ozean voll auszukosten. Ein elysischer Glanz liegt über dem Meer, als die Sonne ihr unvergleichliches Farbenspiel anwirft und das Meer in einem mystischen Zauber badet. Tausende von Grillen erfüllen melodisch die Nacht. Darüber ein unglaublicher Sternenhimmel, so intensiv, als ob die Sterne zum Greifen nahe wären (siehe Pazifik-Küste / "Wie es Bändeli um es Gschänk").

Wir verbringen zwei traumhaft schöne Tage auf dem Big Sur Highway und es fällt uns schwer, von diesem herrlichen Fleck Erde Abschied zu nehmen, doch für heute steht eine etwas längere Etappe ins Landesinnere bis nach Bakersfield an. Die Fahrt über die Temblor Range ist wunderschön, doch die vielen Rolling Hills (riesige Bodenwellen) auf der machen mir echt zu schaffen. Es ist wie Roller-Coaster-Fahren (Achterbahn) und ich bin froh, als es endlich vorbei ist. Noch eine Bodenwelle mehr und ich hätte "Little Sunshine" über's Armaturenbrett "gek...örbelt". Vorbei an riesigen Baumwollfeldern fahren wir immer weiter südostwärts Richtung Hemet, welches ganz in der Nähe von Palm Springs liegt. Hier geniessen wir die letzten Tage mit "Little Sunshine" und profitieren von der luxuriösen - selbstverständlich im Preis inbegriffenen - Campground-Einrichtungen. Es gibt 3 geheizte Swimmingpools, 3 Whirlpools, einen voll ausgestatteten Fitnessraum inkl. 4 Fernsehern, einen Billard-Raum mit 8 Tischen, eine Bibliothek mit Computer (zum frei surfen), Volleyball- und Badminton-Plätze und eine Shuffleborad-Halle mit 8 Bahnen (eine Art Curling). Selbstverständlich fehlt auch die Laundry (Waschsalon) nicht, nur dass diese hier ziemlich gross ist. Neben 32 supermodernen Waschmaschinen gibt es ebenso viele Trockner und auch hier 2 Fernseher um sich die Zeit während des Waschens zu vertreiben.

Noch ein letztes Mal machen wir einen Ausflug zum Joshua Tree N.P. Von Hemet aus fahren wir auf dem Highway 74 durch den aromatisch nach Harz riechenden Pinien-Wald hinauf zu den Santa Rosa Mountains. Das Landschaftsbild ändert sich nach der Passhöhe abrupt. Statt saftig grünen Tannen gibt es hier die wunderschönen Ocotillo- und Cholla-Kakteen. Bis hinunter ins Verkehrschaos von Indio trennt uns nur noch ein kurzes Stück Highway, welcher sich wie ein Lindwurm ins Tal unter uns zieht. Sobald die pulsierende Stadt hinter uns liegt, ist es auch mit dem Rummel wieder vorbei und wir sind in freier, urwüchsiger Natur. Die Kakteen-Vielfalt hier im Joshua Tree N.P. fasziniert uns auch diesmal wieder unglaublich und wir haben sogar das Glück eine riesige Tarantel-Spinne aus aller nächster Nähe beobachten zu können, die ganz gemütlich über die Strasse marschiert. Nur gut, dass ich seit ein paar Jahren meine Spinnen-Phobie überwunden habe, denn beim Anblick dieses haarigen Riesenexemplares hätte ich schleunigst das Weite gesucht. Im Cholla-Garten machen wir einen ausgedehnten Spaziergang. Wir bewegen uns im Gänsemarsch voran und treten möglichst auf Steine oder halten uns an die ausgetrockneten Bachbetten - die sogenannten Washes - um möglichst wenige, dieser kostbaren Pflanzenwelt kaputtzutreten.

Und dann, am 7. November 2000 ist es schliesslich so weit. Wir machen uns auf den Weg Richtung Los Angeles. Kurz vor Perris wechseln wir auf die Interstate 215 und gelangen schon bald in den stressigen Grossstadtverkehr. Vereinzelt röhrt einer dieser chromblitzenden Trucks in amerikanischer XXL-Übergrösse an uns vorbei und zieht mich mit "Little Sunshine" in seinen Sog. Noch ein letztes Mal wird in diesem 6-spurigen Grossstadtchaos mein fahrerisches Können auf die Probe gestellt und ich bin froh, dass Marco mir den Weg zurück zur Verkaufsstation weist. Jetzt heisst es endgültig Abschied nehmen von "Little Sunshine" und unter der Begründung noch da und dort etwas putzen zu müssen, lasse ich mir sehr viel Zeit um mich von meinem treuen Freund zu verabschieden, welcher nun zum Verkauf freigegeben wird.

Abschied von "Little Sunshine"
Sit Tage no sträng und Rueh häsch scho lang nüm kennt.
Kein Wäg isch dr z'sträng, du nimmsch Meile und Stundä.
Nordwest liegt uf Kurs. Dä Süde en hilbe Traum,
Alaska vorus, s'gitt neui Wege zerkunde.
Bhüet die wohl chline Fründ, ja so wiit häsch üs treit,
bis as ändi vor Wält, bis fasch nümm wiiter geit,
vo sunnige Stränd bis zum ewige Iis, dur jede Sturm, dur alli Gfahre.
Als wär d'Freiheit das chli Huus, wo'd stolz uf där treisch,
als wärs nid mängisch au en Fluech, wo sich gäge eim drähit,
wo eim drängt und eim triibt und eim gäng wieder seit,
ja für immer söllsch fahre.
Händ mängs zäme teilt und ohni das vill hädsch gseit,
häsch mängs i mer gheilt, ich ha mi neu leere mässe.
Und stigi jetzt us, lah di lah wiiter zieh,
din Power und die 20 Fuss, die wird ich nie ganz vergässe.
Goodby "Little Sunshine"

Marco und ich werden zusammen mit der schneeweissen Goldwing noch ein paar Tage hier an der Beach verbringen und nochmals etwas Meeresluft schnuppern, bevor wir weiter zu unseren Verwandten nach Phoenix/Arizona reisen.

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