Route Alaska - Yukon
Gesamtreisezeit: 17 Tage (26. Aug. - 11. Sept. 2000)
Gesamtstrecke: 1'710 km (1'069 miles)
Route:
Teklanika Campground / Denali N.P. - "Denali N.P." - Fairbanks - "Creamers Field Wildlife Ref." - Delta Jct. - Beaver Creek - Kathleen Lake Campground / Kluane N.P. - "Tatshenshini-Alsek P.P." "Chilkat S.P." - Haines - "Inside Passage" - Prince Rupert / Prudhomme Lake P.P.
Mit einem 10-Tages-Ticket im Sack und tonnenweise Vorräten in den Schränken, stürzen wir uns in das Outdoor-Abenteuer Denali Nationalpark. Wir haben keine Ahnung, auf was wir uns da einlassen und noch weniger, was wir volle 10 Tage hier im Park machen sollen (siehe Yukon-Alaska / 10 Tage im Denali N.P.) - nimmt mich Wunder, wieso wir auf diese Schnappsidee gekommen sind?!
Doch entgegen all unsren Bedenken vergeht die Zeit wie im Flug und neben Natur- und Tierbeobachtungen kommen wir kaum noch zum Schlafen. Jeden Tag sind wir mit dem Bus unterwegs und jeden Tag sehen wir viele verschiedene Tiere und der Park hält neue Überraschungen und Erlebnisse für uns bereit (siehe Yukon-Alaska / Ein ganz normaler Spaziergang).
Der Wetterbericht hier in Alaska lässt leider etwas zu Wünschen übrig und es ist für uns Schweizer am Anfang nicht so einfach uns damit abzufinden. Wenn man sich mal ganz schüchtern nach dem Wetter für den nächsten Tag erkundigt, bekommt man die freundliche Antwort: "Well, heute ist es so und morgen... weiss keiner so genau. We'll see!" Eine Rangerin im Visitor-Center brachte es auf den Punkt: "Wegen des Wetters bracht keiner nach Alaska zu kommen!" Wie recht sie doch hat.
Gottseidank meint es Petrus mehr oder weniger gut mit uns und ein vorzüglicher Imbiss aus dem Tagesrucksack bringt unsere verbrauchte Energie auf den ausgedehnten Abenteuer-Trips wieder auf Vordermann (siehe Yukon-Alaska / Fotopirsch mit Thomy). Am Abend freuen wir uns, zusammen mit unseren Gästen Thomy, Antje und Stefan ein gemütliches Nachtessen aus unserer Bordküche geniessen zu können und über die tollen Erlebnisse plaudern zu können (siehe Yukon-Alaska / Im Reich der Biber).
Es fällt uns schwer, nach 10 Tagen von diesem paradisischen Fleck Erde und von unseren Freunden Abschied nehmen zu müssen. Aber wie heisst es so schön: Man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist! Hier trennen sich auch unser und Thomy's Wege wieder. Wir fahren weiter Richtung Fairbanks, während er die Zeit noch nutzt, um ein paar weitere, gute Tierfotos zu schiessen. Die Zivilisation hat uns wieder und nach Camper anschliessen und intensiver Dusche siegt der inzwischen bärenstarke Hunger. Wie fein doch so ein saftiges Steak vom Grill schmeckt!
Hier in Fairbanks haben wir mit dem 65. Breitengrad den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Von nun an geht es nur noch südwärts. Das von der farbigen Tundra überzogene Land, das uns die letzten Tage so unendlich fasziniert hat, wird hier durch die goldfarbenen Herbsttöne der Espen abgelöst.
Es ist lausig kalt als wir auf dem Alaska Highway Richtung Süden fahren und unsere gehegten Befürchtungen bewahrheiten sich leider sehr schnell, als wir kurz hinter der Kanadischen Grenze in einen fürchterlichen Schnee-Regen-Sturm kommen. Dazu noch die schlechte Strasse mit der endlos langen Baustelle und das Chaos ist perfekt. Die Fahrt ist anstrengend und mühsam. Wir quälen uns förmlich jeden Meter über die schlammige Gravelroad und wühlen uns mit "Little Sunshine"durch den Matsch. Unsere Freude darüber, dass wir dieses Schlammbad endlich schadlos überstanden haben, weicht schierem Entsetzen, als wir uns "Little Sunshine" genauer anschauen. "Oh boy!" Von der weissen Farbe ist kaum noch etwas zu erkennen und "Little Sunshine" sieht aus wie ein einziger Dreckhaufen.
Glücklicherweise wäscht der Regen auf der Weiterfahrt den gröbsten Dreck wieder runter, so dass wir uns mit "Little Sunshine" ohne grösseren Bedenken nach Hainses Jct. wagen können. Eigentlich wollen wir uns im hiesigen Visitor-Center nur ein paar Informationen zum Kluane N.P. holen, als Marco hinter mir plötzlich einen unüberhörbaren Urschrei ausstösst. In seiner Hand schwenkt er einen Neongrünen Zettel und rennt damit aufgescheucht umher. "Also, ich glaub ich spinn... Nei, also wänn en das würklich isch... Ich glaub's eifach nöd!" Heppp! Endlich kriege ich meinen Mann am Ärmel zu fassen. "Um was um alles in der Welt geht es überhaupt?" versuche ich aus dem immer noch sichtlich aufgeregten Marco herauszubekommen. "Äh, weisch..." stottert er zapplig "ich han doch ä Fotti, wo es paar Manne mit so alte Töff druf sind und eine vo däne isch ebe dä Seppi Zeindler!" Selbstverständlich habe ich keine Ahnung, welches Foto und welchen Mann er meint. Das einzige was ich verstehe ist, dass wir schon lange nach einem Mann namens Seppi Zeindler suchen, der irgendwann, vor einigen Jahren, irgendwo nach Nordamerika ausgewandert ist. "Isch das öppe..." - Schwupp, verschwunden ist er - Als ich mich umdrehe um Marco eine Frage zu stellen, ist dieser spurlos verschwunden. Ich entdecke ihn am Informationsschalter wieder, wo er sich aufgeregt mit einer Rangerin unterhält. "Hey, ich glaub's eifach nöd, das isch än doch ganz bestimmt!" jubelt er und fuchtelt mir mit dem grünen Flyer vor der Nase herum. Schnapp! Mit einer flinken Bewegung schnappe ich ihm das Flugblatt aus der Hand worauf in deutscher und englischer Sprache steht:
BLOCKHÜTTEN zu vermieten, Sommer + Winter im herrlichen Alsek-Valley, 8 km von Haines-Junction
Joe & Anne Zeindler (Wir sprechen deutsch!)
Blitzschnell kombiniere ich: Dieser Seppi Zeindler - welcher ja eigentlich Josef heisst und den in der Schweiz alle Seppi nannten - heisst hier im tiefen Yukon natürlich Joe. "Ja, das muss er sein!" bestätige ich Marco's Entdeckung. Bei der Rangerin erkundigen wir uns kurz nach dem Weg und fahren sofort los auf der Suche nach dem verschollenen Seppi.
Es ist eine riesige Überraschung, als wir auf dem Grundstück von Joe & Anne eintreffen, wo die beiden zwei wunderschöne, heimelige Blockhäuser mit Outhouse (Plumpsklo vor der Hütte) vermieten. Wir haben einander viel zu erzählen und die beiden Männer schwelgen in Erinnerungen an die gemeinsamen Ausfahrten von anno dazumal auf ihren dicken Harley's. Es ist schon spät, als wir uns von den beiden verabschieden und diese einzigartige Idylle im tiefsten Yukon wieder verlassen. Ein kleines Nest, wo um zehn Uhr nachts die Lichter ausgehen und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Aber genau hier haben die beiden die Ruhe und Zufriedenheit gefunden, wonach sie immer gesucht haben. Die Tiere wagen sich mit funkelnden Augen vorsichtig aus dem Dickicht hervor, als wir uns auf den Weg zum Kathleen Lake Campground im Kluane N.P. machen. Der Rückweg erfordert vollste Konzentration, insbesondere, da eine glitschige Schneematschschicht die Strasse bedeckt.
Ein bitterkalter Morgen irgendwo in den Weiten des Yukon Territory. Wir verkriechen uns nochmals tief unter unsere warmen Decken, bevor wir im späteren Vormittag bei herrlichstem Sonnenschein auf dem Haines Highway Richtung Haines fahren. Die atemberaubende Berglandschaft mit den zahlreichen Seen und Flüssen zieht uns in ihren Bann und nur ungern nehmen wir von dieser Gegend Abschied. Doch morgen schon heisst es: "Schiff Ahoi!" und auf einer zweitägigen Fährfahrt geht es von Haines durch die Inside Passage hinunter nach Prince Rupert.
Wehmütig schauen wir beim Auslaufen der Fähre noch einmal zurück und denken an die wunderschönen, erlebnisreichen Tage die wir hier im hohen Norden verbringen durften zurück.