Fotopirsch mit Thomy
Auf unserer gestrigen Wanderung im Denali N.P. haben Marco und ich einen versteckten Teich entdeckt in welchem sich ein frischer Biberbau befindet an dem die Biber noch fleissig am Arbeiten sind. Begeistert erzählten wir am Abend Thomy von unserer Entdeckung. "Wow, das muss ich sehen!" ruft er begeistert auf und ich verspreche ihm, ihn morgen dahin zu begleiten.
1. Sept. 2000. Es hat die ganze Nacht durchgeregnet und obwohl das Wetter nicht allzu vielversprechend ausschaut, mache ich mich heute morgen zusammen mit Thomy auf den Weg zu den Bibern. Den ersten Bus um 7:45 Uhr haben wir beiden Schlafmützen prompt verpasst und während Marco noch im warmen Bett liegt - er hat heute seinen "Day off" (Ruhetag) - warten wir beide geduldig auf den 8:30 Uhr Bus. Thomy wie immer vollbepackt mit seinem grossen Fotorucksack am Rücken, dem abgewetzten Stativ unter dem Arm und einer Getränkeflasche in der Hand - welche er unmöglich noch im Rucksack unterbringt. Diese doofe Sprite-Buddel hat mir übrigens vor ein paar Tagen ein nasses "Füddli" beschert, als sie auf dem Bussitz ausgelaufen ist. Dagegen schätze ich meine bescheidene Ausrüstung, welche samt und sonder in meinem praktischen Tagesrucksack Platz hat.
Endlich kommt der Bus angedüst und wir ergattern uns in der zweitletzten Reihe noch eine freie Sitzbank. Noch bevor Thomy all sein Gepäck-Puff verstaut hat, setzt sich der Bus in Bewegung. Mike, unser heutiger Busdriver, begrüsst uns an Bord und ermahnt uns: "Fasten your seat belt. It's the law!". Soviel zum Thema Sicherheit. "Okay, ready to go!", juble ich, als wir schon bald unseren nächsten Halt beim Teklanika Restroom einlegen, denn nun hat sich Thomy endlich fertig eingerichtet. Kaum einer lässt sich bei diesem trüben Wetter dazu bewegen, aus dem Bus auszusteigen und nur diejenigen, die unbedingt ein "Bisi" loswerden müssen, bemühen sich kurz nach draussen.
Unsere Reise geht somit pünktlich weiter und auf der Fahrt zum Eielson Visitor-Center beobachten wir vom Bus aus einen Grizzly-Bär, welcher hinter einem fetten Ground Squirrel her ist und deswegen den halben Hang umgräbt. Ansonsten ist auf der heutigen Fahrt nicht viel los, wahrscheinlich ist es sogar den Tieren heute zu "gruusig" und sie haben sich irgendwo verkrochen ... "Doch halt! Stopp! Da vorne, was ist das?" Eine kleine Herde von vier Caribous zieht gar nicht weit von der Strasse entfernt durch die Tundra. Die grau-weissen Tiere zeichnen sich wunderschön von der rot-braunen Tundra ab und Thomy's Fotografenherz schlägt bei diesem Anblick höher. "Sollen wir aussteigen und ein paar tolle Bilder schiessen?" fragt er mich unsicher, denn eigentlich ist unser heutiges Ziel der Biberbau. "Okay, let's go," stimme ich ihm zu und da wir wissen, dass es wegen den Parkvorschriften nicht möglich ist, gleich hier in der Nähe der Herde auszusteigen, bitten wir Mike, uns eine halbe Meile weiter vorne aussteigen zu lassen. Leider ignoriert der Idiot unsere Bitte einfach und fährt bis zum Visitor-Center weiter, was für uns bedeutet, dass wir die ganze Strecke zurücklatschen müssen. Thomy ist stink sauer auf Mike und sagt ihm ganz gehörig die Meinung. Doch wir wollen keine Zeit verlieren und marschieren gefolgt von zwei Hobby-Fotografen los um die Caribous zu finden.
Ich habe echt Mühe mit Thomy's Tempo und seinen Riesenschritten mitzuhalten. Doch die Tatsache, dass sich die Caribous in unsere Richtung bewegen, verkürzt unseren Marsch um einiges. Wie zwei richtige Indianer schleichen wir, gefolgt von unseren beiden Greenhorns, in geduckter Stellung durch die Tundra. Hinter einem kleinen Hügel beziehen wir Stellung und müssen jetzt nur noch darauf warten, dass die Tiere an uns vorbeimarschieren. Unsere Kameras sind schussbereit und unsere Aufregung steigt. Vorsichtig erhebt sich "Big-Foot-Indianer" Thomy um die Lage zu checken und herauszufinden, wie weit die Caribous noch von uns entfernt sind. Doch statt sich wieder zu ducken, erhebt er sich in voller Grösse und fängt an zu fluchen. "Was ist nun schon wieder los!" frage ich mich und gwundrig stehen wir Drei auf um zu sehen, was da oben vor sich geht. Direkt vor unserem Versteck hat sich einer dieser bescheuerten Profi-Fotografen - welche ein Permit haben um mit dem Privatauto im Park herumzufahren - mit seiner Kamera in Position gestellt und uns mit seiner tapsigen Art prompt die Caribous vertrieben. "What a shame!" ärgert sich einer der beiden Hobby-Fotografen neben mir und ich kann mich seiner Äusserung nur anschliessen. Thomy dagegen ist stink sauer auf den Volltrottel da oben und kann sich vor lauter Ärger kaum noch zurückhalten. Kleinlaut packt der Profi-Fotograf seine Ausrüstung zusammen und zieht davon. Aus einiger Entfernung können wir nun die Caribous noch ablichten. An ihren Geweihen hängen blutige Fetzen und Thomy erklärt mir, dass die Tiere zu dieser Jahreszeit den fellartigen Überzug an ihren Geweihen - welches hier Velvet (Samt) genannt wird - abstossen. Das ist der Grund, weshalb die Caribous ihre Geweihe bei jeder Gelegenheit an den Sträuchern wetzen. Bald schon verschwindet die Herde aus unserer Sichtweite und uns bleibt nichts anderes übrig, als resigniert zusammenzupacken und zum Visitor-Center zurückzumarschieren. "Hey, wenn wir uns beeilen, können wir Mike's Bus noch erwischen, der in 20 Min. Richtung Wonder Lake weiterfährt," bemerke ich und sofort erhöhen wir unser Marschtempo. "Mike's Bus 401 is ready for boarding!" hören wir die Stimme über den Parkplatz rufen. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Bus und sichern uns zwei Plätze. Die grauen Regenwolken hängen tief am Himmel und sehen bedrohlich aus. Trotzdem entscheiden wir uns zur Weiterfahrt.
Die Regengüsse der letzten Nacht haben die Strasse ganz schön aufgeweicht und in eine üble Schlammpiste verwandelt. Die Strasse ist hier an manchen Stellen bedrohlich eng und fällt steil ab. Der Bus wühlt sich regelrecht durch den knöcheltiefen Schlamm und wir hüpfen wie ein Gummiball über die kratertiefen Schlaglöcher. Zweimal haut es uns voll in diese gefürchteten Schlaglöcher, so dass es mich Fliegengewicht förmlich vom Sitz katapultiert und ich gottseidank wieder relativ sanft auf dem gepolsterten Sitz zu landen komme. Endlich bessert sich der Strassenzustand, so dass wir in mehr oder weniger gleichmässiger Rüttel-Schüttel-Fahrt vorwärts holpern.
Jetzt heisst es für mich die Augen offen halten, denn so genau weiss ich auch nicht mehr, wo wir aussteigen müssen um zu dem Teich zu gelangen und da heute zu allem Elend auch noch die Scheiben beschlagen sind, heisst es doppelt so gut hinschauen. Plötzlich erspäht Thomy ein paar Moose (Elche) und kann sich im letzten Moment zurückhalten, bevor er seine Entdeckung herausposaunt. "Wämmer usstiige?" fragt er mich aufgeregt. Einen kurzen Augenblick lang zögere ich, doch als ich das Leuchten in seinen Augen sehe und daran denke, dass ich noch nie einen Moose Bullen aus der Nähe gesehen habe, stimme ich schliesslich zu. Glücklicherweise konnte sich Thomy vorhin gerade noch auf die Zunge beissen bevor er seine Beobachtung lautstark preisgab, denn sonst hätten wir wieder mindestens eine halbe Meile weiterfahren und dann alles zurückmarschieren müssen. Stattdessen ruft Thomy nun lautstark durch den ganzen Bus: "Mike, kannst du bitte anhalten? Wir würden gerne aussteigen und ein bisschen spazieren gehen!" Sofort hält Mike den Bus an um uns aussteigen zu lassen. Mit Thomy's Bagage quetschen wir uns - "Oh, I'm sorry!" - durch den engen Gang zwischen den Sitzbänken. Wir können die verwunderten Blicke der angerempelten Passagiere förmlich spüren und einer von ihnen äussert sich: "That's nuts!" Zugegeben, so ganz unrecht hat er nicht. Irgendwie muss man schon ein bisschen durchgeknallt sein, hier, bei diesem Sauwetter, mitten in der endlosen Tundra spazieren zu gehen. "Have fun!" wünscht uns Mike und lacht dabei hämische auf den Stockzähnen. Knatternd setzt sich der Bus in Bewegung und wir machen uns auf zu den Elchen.
Aus der Ferne sehen wir ein Moose-Weibchen mit ihrem Kalb und können die riesigen Schaufeln eines Moose Bullen erkennen. Wir halten den Atem an, als die Drei nur ein paar wenige Meter entfernt an einem Fotografen vorbeiziehen, der da mit seiner Kamera auf einer kleinen Anhöhe steht. "Wow, das war knapp!" meint Thomy, denn so ein Moose Bulle während der Brunftzeit ist völlig unberechenbar und kann ganz schön gefährlich werden. Trotzdem entscheiden wir, auch noch etwas näher heran zu gehen, denn die Moose-Familie ist inzwischen hinter einer Senke verschwunden. Wir schlüpfen in unsere Regenhosen und stapfen beharrlich durch die Tundra. Der dicke Moosteppich ist wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen und blubbert und sabbert bei jedem Schritt, als würden wir durch einen Sumpf waten.
In ein paar Schritten Entfernung folge ich - "matsch, flatsch, matsch" - Thomy durch's Gestrüpp. Mühevoll kämpfe ich mich durch die dichten, widerspenstigen Tundra-Sträucher und versuche dabei, den grössten Moos-Schwämmen auszuweichen. Es ist unglaublich mühsam, vor allem, weil mir die Sträucher teilweise bis zur Hüfte reichen. Tapfer marschiere ich weiter und als ich meinen Blick hebe, um mich zu vergewissern, wo Thomy ist und wo's lang geht, da - "Ups!" - blicke ich in zwei riesige, dunkelbraune Augen. "Oh, boy!" Wie angewurzelt stehe ich da und halte den Atem an, denn keine 10 Meter vor mir steht Mama-Moose und mustert mich mit einem kritischen Blick. "What's now!" frage ich mich verzweifelt, denn ich habe überhaupt keine Erfahrung mit diesen Riesenviechern und komme mir vor dem Riesen-Elch vor wie ein Gartenzwerg im "Rägegwändli". Verzweifelt schaue ich mich nach Thomy um, der sich bereits schon bis zum anderen Fotografen vorgewagt hat und mir Zeichen gibt, dass alles in Ordnung ist und ich langsam zu ihnen kommen soll. Einfacher gesagt als getan, doch ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und schleiche im Zeitlupentempo an Mama-Moose vorbei, ohne sie auch nur einen Augenblick aus den Augen zu lassen.
Knieschlotternd stelle ich mich neben Thomy und schaffe es sogar mich wieder so zu beruhigen, dass ich von der Moose-Familie ein paar Videoaufnahmen schiessen kann. Das Junge und der Bulle liegen in der Tundra-Senke, während die Moose-Lady sich an ein paar herbstlich gefärbten Zweigen labt. Die Elche sind nur noch etwa 15 Meter von uns entfernt und wir wissen, dass wir ziemlich nahe bei den Tieren sind, würde uns jetzt ein Parkranger hier erwischen, wir bekämen eine ganz tolle Verwarnung: "You are to close to the Moose. Please step back!" An den Schaufeln des Bullen hängen lange, blutige Fetzen - der sogenannte Velvet - genau wie wir sie heute morgen bei den Caribous gesehen haben.
Zwei weitere Fotografen gesellen sich zu uns und da es nun stärker zu regnen beginnt, sind wir alle damit beschäftigt, unsere Kameras vor dem ekelhaften Regen zu schützen. Ich verstaue meine Videokamera unter meiner Jacke, die Fotografen decken ihre Kameras mit speziellen "Regen-Mänteli" zu und Thomy kramt, völlig stümperhaft ein paar dieser knisternden Plastiksäcke hervor und wickelt sie umständlich um seine Kamera. So hat eben jeder seine eigene Methode wie er Kamera schützt. Sogar die Moose-Familie schaut sich über Thomy's Technik zu wundern und schaut verwundert zu uns herüber. "Crazy people!" Geduldig warten wir alle darauf, dass sich der Bulle endlich erhebt und uns ein tolles Fotoobjekt bietet. Doch der eine Fotograf macht uns nicht gerade Mut, als er uns verrät, dass er gestern vier Stunden darauf gewartet hat, dass sich der Bulle wieder erhebt. Vielleicht haben wir heute mehr Glück! Eines weiss ich jedoch mit Bestimmtheit, ich werde keine vier Stunden in diesem Regen warten, bis es Mister Bull-Moose vielleicht genehm ist, seinen Hintern wieder einmal zu erheben. "Komm, lass uns auf die andere Seite der Senke gehen, von da aus können wir den Bullen mindestens von vorne ablichten," schlägt Thomy vor und ich finde die Idee gar nicht mal so dumm. Thomy schultert seine Kamera, welche er der Einfachheit halber gleich auf dem Stativ lässt und wir schleichen uns langsam an den Moose vorbei. Wir haben noch keine drei Schritte gemacht, als - klick, klick, klick - hinter uns die Kameras der anderen Fotografen wie Maschinengewehre losklicken. Durch unser Davonschleichen haben wir den Bullen unsicher gemacht. Dieser hat sich darauf hinter unserem Rücken erhoben und somit den anderen Fotografen das perfekte Foto-Motiv geliefert. Bingo! Genau darauf haben wir die ganze Zeit gewartet. "Thank you very much!" Blitzschnell zücke ich meine Videokamera um auch noch ein paar Aufnahmen von dem stehenden Moose-Männchen zu schiessen. Doch bis Thomy mit seinem Kamera-Gstellage in Position ist, legt sich der Bulle mit einem müden Stöhnen schon wieder hin. "So eine Sch....!" flucht Thomy, heute scheint einfach nicht sein Tag zu sein.
Inzwischen regnet es in Strömen und zusammen mit den anderen Fotografen mache ich mich auf den Rückweg, denn so langsam aber sicher wird mir die Sache etwas zu feucht und ungemütlich. Wenn ich mich jetzt hier einfach an den Strassenrand stelle und auf den nächsten Bus warte, fange ich bestimmt an zu frieren. Also entscheide ich mich, dem Bus entgegen zu marschieren und mich beim Wandern warm zu halten. Fast eine halbe Stunde marschiere ich nun schon auf der Strasse dem Bus entgegen und meine Stimmung passt sich dem miesen Wetter an. Die Bündchen an den Regenhosen und an der Regenjacke ziehen langsam die Feuchtigkeit an und der Rucksack an meinem Rücken wird durch die Nässe auch immer schwerer. Zu allem Elend fängt auch noch der linke Wanderschuh an zu lecken und füllt sich allmählich mit Wasser. Ein unangenehmes Gefühl. Ich hasse dieses flitsch-flatsch, flitsch-flatsch-Geräusch in meinem Schuh und das pflotschen zwischen meinen Zehen. Stinksauer über den verpatzten Tag und über Thomy stapfe ich durch die Pfützen und ein paar bittere Tränen der Enttäuschung rinnen mir über die Wangen. Ich lasse meinem Ärger freien Lauf und kicke mit dem nun pflotschnassen Fuss einen Stein vor mir her. "Blöder Thomy!" fluche ich verärgert. "Ich könnte jetzt so ganz gemütlich bei Marco im warmen trockenen Camper sitzen und den Regen auf's Camperdach prasseln hören. Aber nein, stattdessen latsche ich hier wie ein begossener Pudel durch diese gottverlassene Gegend und habe nicht einmal die Biber gesehen. Hätte ich doch bloss nicht auf ihn gehört und ... Doch Halt! Was hat diese ganze Misere überhaupt mit Thomy zu tun?" So langsam aber sicher werde ich mir bewusst, dass ich ganz alleine an diesem Desaster Schuld habe und ich auf niemanden sonst als auf mich sauer sein muss. Es war meine eigene Entscheidung, heute mit Thomy loszuziehen und ich habe entschieden, dass wir bei den Moose aussteigen. "Also hör endlich auf zu jammern und reiss dich zusammen!" gehe ich mit mir selbst ins Gericht. Ich bin froh, als ich nach dreiviertel Stunden Fussmarsch endlich das Geräusch eines Busses höre. "Hoffentlich ist es ein grüner Bus!" höre ich mich verzweifelt betteln. Wie eine Ertrinkende schwenke ich meine Arme, als sich mir der tatsächlich grüne Bus nähert. Es ist Mike's Bus - der Driver von heute morgen - und mit seinem ekelhaften doofen Lächeln öffnet er mir die Türe, lässt mich einsteigen und stellt mir die dämliche Frage: "Hey, how was your hike?" Dumme Frage und ich verzichte darauf, ihm darauf eine Antwort zu geben. Schweigend quetsche ich mich durch den Gang und setze mich auf dem zweitletzten Platz in der hintersten Reihe.
Ich bin wirklich patschnass und die übrigen Passagiere schauen mich mitleidig an. Nur meine Sitzbank-Nachbarin scheint über meine Anwesenheit alles andere als begeistert zu sein. Mit einem abschätzigen Blick zieht sie sich in die hinterste Ecke der Sitzbank zurück. Ein paar Meilen weiter hält der Bus erneut an und der ebenfalls tropfnasse Thomy steigt ein. "Ach, was würde ich darum geben, wenn wir schon beim Campground wären," denke ich so für mich, doch bis dahin sind es noch ein paar Meilen bzw. Stunden. Wieder hält der Bus an und vor der Tür stehen zwei weitere Wanderer, welche der Busfahrer jedoch auf den nächsten Bus vertrösten muss, da unser Bus bis auf den letzten Platz ausgebucht ist. Der folgt allerdings erst etwa in einer Stunde! "Wow, was haben wir Glück gehabt!"
Im Eielson Visitor-Center wechsle ich in den Camper-Bus, da dieser schon in 10 Min. weiterfährt und es in diesem Bus meist noch ein paar freie Plätze hat. Okay, manchmal riecht es in diesem Bus dafür etwas streng, wenn die Camper nach 'zig Tagen Outdoor-Leben zum Parkausgang unterwegs sind. Doch im Moment ist mir sogar das egal. Hauptsache ist, dass ich Platz habe, meine nassen Regenkleider und den Swimmingpool-Schuh auszuziehen kann und bald beim Campground bin. Die triefend nassen Regenkleider hänge ich zum Trocknen über die freie Lehne des vorderen Sitzbankes und nun sind meine Füsse an der Reihe. Nur gut, dass ich heute morgen zwei Paar Socken angezogen habe. So kann ich die durchnässten linken Socken ausziehen und die beiden noch trockenen Socken des rechten Fusses auf die beiden Füsse aufteilen. Das Haushaltpapier, welches hier im Bus eigentlich zum Putzen der beschlagenen Fensterscheiben zur Verfügung steht, tut jetzt seine Dienste um mich zu trocknen. Meterweise stopfe ich von den praktischen Papiertüchern in meinen nassen Wanderschuh und um meine Füsse warm zu halten, wickle ich ein paar Lagen davon um meine Füsse. "Super!" So langsam aber sicher geht es mir wieder besser. Jetzt ist der Rucksack dran. Mit klammen Fingern hole ich die nassen Sachen aus dem "Wassersack", trockne sie mit den Papiertüchern und lege sie zur Seite. Jetzt noch das First-Aid-Kit (Notfallapotheke) und dann ist der Rucksack leer ... "Hhmmm, was ist denn das?" frage ich mich, als meine Finger an ein weiches, plastikähnliches Ding stossen, dass sich da ganz unten im Rucksack befindet. Langsam ziehe ich das ungewisse Etwas heraus und ... "NEIN!" Ich könnte mir alle Haare ausreissen als ich das unbekannte Ding in der Hand halte. Es ist ein praktischer Regenponcho! Feinsäuberlich zusammengefaltet lag der die ganze Zeit über in meinem Rucksack . "Na toll!" Hier hat er ja unglaublich viel genützt. Aber jetzt hilft alles Jammern nichts mehr und ich setzt meine Trocknungsaktion weiter fort.
"Teklanika Campground!" höre ich den Busfahrer rufen und es tönt wie Musik in meinen Ohren. Dankend steige ich aus und eile zum Camper zurück, wo Marco schon sehnlichst auf mich wartet. Mitleidvoll hilft er mir aus den feuchten Klamotten und schaltet die Heizung ein. Erst das teehaltige Wundergetränk, dass er für mich zubereitet, erweckt mich wieder zum Leben. Etwa eine halbe Stunde später trifft Thomy ein und als auch er wieder einigermassen salonfähig aussieht, geniessen wir alle zusammen ein feines Nachtessen aus unserer Bordküche und erzählen Marco von unserem heutigen, aufregenden Tag.
Wenn ich - jetzt wieder trocken und warm - so über den heutigen Tag nachdenke muss ich zugeben, dass es trotz alledem ein interessanter, erlebnisreicher Tag war und ich wahrscheinlich nie mehr so nahe an einen Moose-Bullen herankommen werde.