Route Rockies USA
Gesamtreisezeit: 34 Tage (11. Mai - 13. Juni 2000)
Gesamtstrecke: 5'275 km (3'299 miles)
Route:
Pagosa Springs (Colorado) - "Hot Springs" - Gunnison - "Curecanti N.R.A." "Black Canyon of the Gunnison N.P." - Delta - Sylvan Lake S.P. - "Royal George Hängebrücke" - Canon City - Colorado Springs - "Pikes Peak" "Garden of the Gods" "Manitou Cliff Dwellings" - Idaho Springs - "Mount Evans" "Rocky Mountains N.P." - Cheyenne (Wyoming) - "Fort Laramie Natl.Hist.Site" - Lusk - Keystone (South Dakota) - "Crazy Horse Memorial" "Mount Rushmore Natl.Memorial" "Badlands N.P." "Beautiful Rushmore Cave" "Needles Hwy 87" "Custer S.P." "Devils Tower N.M." - Gillette (Wyoming) - Prune Creek / Bighorn N.F. - "Bighorn Canyon N.R.A." - Cody - "Old Trail Town" "Chief Joseph Hwy 296" "Beartooth Hwy 212" - Big Timber (Montana) - Bigfork / Wayfarers S.P.
Nach einem entspannenden Bad in den Thermalquellen von Pagosa Springs (Colorado) fahren wir heute Morgen auf dem Highway 160 bzw. 149 weiter über den Wolf Creek-Pass, den Spring Creek-Pass und den Slumgullion-Pass, welcher mit 11'361 feet (3'463 m.ü.M.) auf der heutigen Fahrt der höchste ist. Es ist lausig kalt und wir staunen nicht schlecht über die riesigen Schneefelder welche wir hier oben noch antreffen. Auf der Continental Divide machen wir Halt und Marco wärmt sich bei mir im gemütlich warmen Camper mit einer Hot-Chocolate auf. In zügiger Fahrt geht es von hier aus hinunter zur Curecanti Natl.Rec.Area., wo die Temperatur in der Nacht auf -9° Celsius fällt und uns das Wasser im Frischwasserschlauch gefrieren lässt.
Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen machen wir uns auf den Weg in Richtung Montrose, wo wir "Little Sunshine" auf einem Parkplatz abstellen und mit dem Töff zum neuesten Nationalpark der USA, dem Black Canyon of the Gunnison, hochfahren. Auf dem Hochplateau erwarten uns stark zerklüftete Klippen und wilde, tiefe Schluchten, durch welche sich der Gunnison River in Jahrmillionen seinen Weg gefressen hat. Wir sind auch diesmal wieder überwältigt von der gigantischen Tiefe und den wunderschön Painted Rocks (farbigen Felsen). Kurz vor Ridgway schlagen wir auf einem komfortablen Full-Hookup State Park unser Nachtlager auf und besprechen die morgige Weiterfahrt.
Die heutige Strecke führt uns auf dem San Juan Skyway durch das Tal des San Miguel Rivers mit seinen feuerroten Felsen. Vorbei am Nobelskiort Telluride gelangen wir über den 10'222 feet (3'116 m.ü.M.) hohen Lizard Head Pass hinunter in das enge Tal des Dolores Rivers. Kurz vor Stoner stossen wir auf den idyllischen Priest Gulch Campground, wo die nervös umher flatternden Kolibris sofort unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Während wir uns ihnen zaghaft nähern, um diese Begegnung fotografisch festzuhalten und sie beim Nektar schlürfen nicht zu stören, schwirrt ein ganz verwegenes Kerlchen Marco um den Kopf und denkt sogar daran, auf seiner Schulter zwischenzulanden.
Irgendwo schlummert noch immer der Pfadfinder in mir und ich kann der Versuchung nicht widerstehen, die Umgebung zu Fuss zu erkunden (siehe Rocky Mountains / Über Stock und über Steine ...). Natürlich werde ich für mein Wanderabenteuer mit einem höllisch schmerzenden Muskelkater belohnt und morgen geht's bereits weiter Richtung Durango. "Oh weh, oh weh!"
Doch dann kommt alles ein bisschen anders. Der abendliche Wetterbericht skizziert ein wahrlich düsteres Bild von dem was morgen zu erwarten ist. Ein stürmisch feuchtes Tief nähert sich zügig von Nordwesten und der Sprecher vom "Maybe-Channel" (Wetterbericht) quaselt sogar etwas von Schneefall. Na dann Prost!
"No problem für uns!" Wir machen es uns ganz einfach noch zwei weitere Tage hier auf dem Priest Gulch Campground, in unserem 22 feet lange Camper - der seit Monaten unser kleines, gemütliches Zuhause ist - so richtig gemütlich und warten, bis das Tiefdruckgebiet weitergezogen ist. Wir besitzen nicht viel. Aber mit den Sternen über uns und der Sonne in unseren Herzen sind wir unbeschreiblich reich! Man braucht so wenig, um glücklich zu sein. Es ist unglaublich, wie empfänglich die Sinne wieder für die einfachen Schönheiten der Natur werden, wenn man erst einmal den Kopf von Alltagsdingen geleert hat.
Tatsächlich ist heute Morgen unser Töff mit einer dicken Reifschicht bedeckt und es beginnt ganz leicht zu schneien. Doch in unseren warmen Schlafsäcken kann uns die Kälte nichts anhaben. Nur die ersten Schritte zur Dusche kosten ganz schön Überwindung. Aber schon kurz nach dem Frühstück verziehen sich die dicken, schwarzen Wolken wieder und die Sonne lacht in frischer Pracht vom Himmel.
Die herrliche Fahrt vor ein paar Tagen über die Mountains präsentiert uns die Quittung für die anscheinend doch zu flotte Pistenhatz. Die Aussenseiten beider Vorderpneus sind so stark abgelaufen, dass ich so unmöglich weiterfahren kann. Bevor wir also unsere Fahrt Richtung Durango fortsetzen, suchen wir eine Werkstatt auf, wo wir die Hinterreifen mit den Vorderreifen austauschen, und jetzt ist "Little Sunshine" wieder fit für die nächsten paar tausend Meilen!
Obwohl wir schon zweimal in Durango waren, haben wir noch nie eine Fahrt mit dem Durango - Silverton-Railroad gemacht. Doch diesmal wollen wir uns dieses Spektakel nicht entgehen lassen und buchen gleich für morgen früh zwei Tickets. Wir schauen uns noch ein wenig im Eisenbahn-Shop um, als uns plötzlich ein netter alter Mann anspricht und sich als Bill - ein Freiwilliger-Mitarbeiter der Durango-Silverton-Bahn - vorstellt. Er freut sich unglaublich darüber, als er erfährt, dass wir aus der Schweiz kommen, denn er ist ein absoluter Schwiizer-Isebähnli-Fan. Voller Stolz führt er uns durch's Durango-Silverton-Eisenbahnmuseum und wir sind begeistert von der interessante Privatführung. Zu unserer Überraschung lädt er uns am Ende zu sich nach Hause zum Nachtessen ein, was wir selbstverständlich gerne annehmen. Es wird ein lustiger Abend und wir geniessen die nette Gesellschaft von Bill und seiner Frau Jane und natürlich das köstliche Essen.
6:00 Uhr! Erbarmungslos schrillt uns der Wecker aus dem Schlaf. Eigentlich noch viel zu früh, doch es ist Zeit zum Aufstehen, denn um 7:30 Uhr ist Boarding-Time für unsere heutige Steamtrain-Fahrt von Durango nach Silverton. Pünktlich, wie es sich eben für waschechte Schweizer gehört, steigen wir in den nostalgischen Wagon - "Coach No. 2" - ein und machen es uns auf den antiken Polstersitzen bequem. Noch ein letztes Mal ruft der Schaffner mit lauter Stimme: "All Aboard!", klappt dann die Trittbrette hoch und schon setzt sich die bullige Dampflock, mit einem Mark und Bein durchdringenden Pfeifton, schnaubend und stampfend in Bewegung.
In gemütlich aber dennoch recht zügiger Fahrt schlängelt sich die Eisenbahn das erste Stück durch die hier noch ausgedehnte Talebene des Animas Rivers. Doch schon nach ein paar Kilometern fängt die Strecke merklich an zu steigen und der Heizer schüttet nochmals kräftig Kohle nach. Das Tal wird nun immer enger und in zum Teil schwindelerregender Höhe windet sich die alte Dampfeisenbahn durch den Canyon. "Hoffentlich hebet dä ganzi Grümpel!" sage ich zu Marco, als ich aus dem Fenster gucke und sich ein paar Meter unter uns der Abgrund mit dem wild rauschenden River auftut.
Immer höher hinauf klettert die Dampflock mit den gelb lackierten "Wäggeli" im Schlepptau und ich lausche dem regelmässigen Stampfen und Schnauben der Lokomotive und es scheint mir, als würde ich "The little black engine" rufen hören:
"I think I can, I think I can, I think I can ..."
he pulled and tugged and tugged and pulled,
"puff - puff - chugg - chugg,"
and slowly, slowly he tried to set in motion.
"I think I can, I think I can, I think I can ..."
and suddenly he really started of.
"Hurray! Hurray!" The little black engine smiled,
and everybody on bord is happy.
"I thought I could, I thought I could, I thought I could ..."Und dann ist die schlimmste Steigung geschafft und "the little black engine" rattert gemütlich dem verträumten Wildwest Städtchen Silverton entgegen.
Vor unserer Rückfahrt stärken wir uns in der urchigen Handle-Bar mit Suppe und Potatoskins, schauen uns in touristischer Manie das Städtchen an machen es uns nach gut zwei Stunden wieder in unserem vorreservierten Wagon bequem. Auf der ganzen Strecke erinnern uns Spuren von Naturgewalten an die stetige Zerstörung der Bahngeleise. Einmal ist es eine Schneelawine, welche die Strecke verschüttet, ein andermal ist es eine Stein- und Schlammlawine, welche Teile der Strecke zerstört oder erbarmungslos unter sich begräbt. Aber auch der Animas River fordert immer wieder seinen Tribut und unterspült bei Hochwasser mit gewaltiger Kraft die Geleise, welche sich teilweise beängstigend nahe dem Fluss entlang winden. Doch ein paar Dampflock-Enthusiasten bringen danach alles wieder in Ordnung und ermöglichen somit das weitere Bestehen der "Scenic Narrow Gauge Steam Railroad". Wir haben diese wunderschöne, gemütliche Fahrt mit der alten Dampflock sehr genossen und können dieses Erlebnis auf jeden Fall weiter empfehlen.
Auch heute lacht die Sonne wieder in voller Pracht vom Himmel, gerade richtig für unsere Fahrt über den malerischen "Million-Dollar-Highway" und durch den Uncompahgre National Forest hinunter nach Montrose. Wie im Film zieht die wunderbare Landschaft mit den schneebedeckten Gipfeln der San Juan Mountains, den kristallklaren Bergseen und den kräftig grünen Kiefernwälder an uns vorbei. Den heutigen Tag runden wir mit einem riesigen, saftigen Steak vom Grill ab. "Hhhmmm, lecker!"
Die Routenplanung von gestern hat ergeben, dass wir heute bis nach Aspen - das St. Moritz der USA - und morgen über den 12'095 feet (3'687 m.ü.M.) hohen Independence Pass fahren werden. Doch einmal mehr machen uns die immer noch vorhandenen Schneemassen einen Strich durch die Rechnung. Der Independence Pass ist wegen zuviel Schnee noch immer geschlossen und wird erst Anfang Juni für den Verkehr geöffnet. "Okay! No problem", und so heizen wir auf der Interstate 70 dem Colorado River entlang bis nach Eagle, von wo aus die Strasse zum Sylvan Lake State Park abzweigt.
Abrupt und ohne Hinweis auf der Karte endet der Asphalt hinter einer der nächsten Kurve und eine üble Schotterpiste beginnt. Kaum eine Chance für unseren Töff und den Camper, doch die verheissungsvolle Campground-Beschreibung lockt uns zu sehr, als dass wir an ein Umkehren denken. Und tatsächlich, nach einer üblen Waschbrettfahrt werden wir mit einem traumhaft schönen State Park Campground direkt am idyllischen Sylvan Lake belohnt.
Bei stahlblauem Himmel fahren wir heute über den "Top of the Rockies Highway". Vorbei an saftig grünen Bergwiesen mit schwarzweiss weidenden Rindern und rotbraunen Pferden, kristallklar sprudelnden Bergbächen und einem Bergpanorama wie aus dem Bilderbuch, gelangen wir hinunter nach Canon City, wo wir uns morgen die Royal Gorge Bridge anschauen wollen.
Die Royal Gorge Bridge ist mit 1'053 feet (321 m) die höchste Hängebrücke der Welt und spannt sich in dieser schwindelerregender Höhe über den Arkansas River. Selbstverständlich lassen auch wir uns eine Fahrt mit der parallel zur Brücke verlaufenden Schwebebahn und der fast überhängend steilen Standseilbahn hinunter zum Arkansas River nicht entgehen. Ein Spaziergang über die wackelige Hängebrücke ist ein echtes Erlebnis und für Marco's Höhenangst hat es hier oben ganz einfach keinen Platz! In Colorado Springs finden wir einen sehr komfortablen Campground, wo wir uns ein paar Tage ausruhen und uns die Sehenswürdigkeiten der Umgebung mit dem Töff ansehen.
Eine Winterthurer Zahnradbahn - was mich als waschechte Winterthurerin natürlich besonders freut - bringt uns auf den 14'110 feet (4'300 m.ü.M.) hohen Pikes Peak. Die Aussicht von hier oben ist phantastisch doch die Luft ganz schön dünn und vor allem saukalt. Ein paar American-Size "Weibern" geht hier oben regelrecht die Puste aus und ausser dem Souvenirladen und dem Fastfood-Stand haben die vom Pikes Peak absolut nichts gesehen.
Neben dem imposanten "Garden of the Gods"-Park besichtigen wir auch die interessanten Manitou Cliff Dwellings (Indianer Häuser unter einem Felsvorsprung) und haben dabei Gelegenheit, einem typischen Indiandertanz zuzusehen. Die abendlichen Flipper-Partien fallen meist zu meinen Gunsten aus, doch am "All-you-can-eat-Icecream-Buffet" ist Marco einfach unschlagbar. Eine ganze Woche verbringen wir hier auf dem Campground in Colorado Springs, relaxen, lassen das geschäftige Memorial-Day-Weekend - Jedermann/-frau scheint an diesem Wochenende auf Achse zu sein - vorbeigehen und amüsieren uns über Buddy, der auf umständliche Art und Weise und mit viel Anzündflüssigkeit versucht, in seinem Grill ein Feuer zu entfachen. Schlussendlich packt er seine Familie ins Auto und geht auswärts essen! Na ja, es war eben nicht jeder bei den "Fähnlein-Fieselschweif" (Pfadfindern).
Dass wir uns mitten in den high Rocky Mountains befinden, wird uns heute auf der atemberaubenden Fahrt durch den Pike National Forest und auf den 14'264 feet (4'348 m.ü.M.) hohen Mount Evans bewusst (siehe Rocky Mountains / Unterwegs mit "Little Sunshine").
Auf dem Highway 72 bzw. 7 fahren wir nordwärts nach Estes Park, wo wir "Little Sunshine" auf dem Supermarkt Parkplatz abstellen und mit dem Töff einen Abstecher zum Rocky Mountains National Park machen. Die Vegetation wird zunehmend spärlicher, ein Radiosender nach dem anderen verschwindet rauschend im Äther und nur ein Country-Sender hat noch genug Kraft um uns in diese faszinierende Bergwelt des Rocky Mountain National Parks zu begleiten. Auf der 12'183 feet (3'713 m.ü.M.) hohen Passhöhe empfängt uns ein eisig kalter Wind. Die Temperaturen sind empfindlich gefallen und ekelhaft starke Windböen zerren unaufhörlich an unseren Töffkleidern. Kurz entschlossen begeben wir uns wieder in etwas tiefere Gefilde und langsam aber sicher bekommen unsere Körper wieder Normaltemperatur. Am malerischen Sheep Lake beobachten wir eine riesige Herde weidender Hirsche und ein ganz verwegener Vogel pickt die toten Insekten von den Kühlergittern der parkierten Autos. Mit einem unbeschreiblichen Hochgefühl über die überwältigende Naturlandschaft nehmen wir Abschied vom Rocky Mountains National Park und fahren auf der Interstate 25 nordwärts bis nach Cheyenne. Hier nutzen wir die Gelegenheit, uns im Büro der AAA-Insurance (TCS) mit reichlich Strassenkarten und Infomaterial einzudecken.
Der grösste Teil unserer heutigen Strecke führt uns über die Interstate 25 nordwärts. Nur ein Abstecher zum legendären Fort Laramie Natl.Hist.Site bringt die nötige Abwechslung. Wir besichtigen die historischen Gebäude aus längst vergangenen Zeiten und schauen einer Gruppe Schüler zu, die den Exerzierbefehlen eines Pseudo-Hauptmanns folgen sollten, was jedoch in einem fürchterlichen Chaos endet.
Auf dem Highway 18 überqueren wir heute die Grenze zu South Dakota, einen Bundesstaat, den wir bis jetzt noch nie besucht haben. Über Hot Springs und Custer fahren wir in das Herzen der Black Hills, wo wir schon von weitem die gigantische Skulptur von Crazy Horse sehen können. Und da unser Weg direkt am Memorial vorbeiführt, statten wir dem überdimensional grossen Indianer gleich einen Besuch ab. "Wow, der ist ja riesig! Nur schade, dass man sich das Kunstwerk nicht aus der Nähe ansehen kann", sagen wir zueinander und begnügen uns mit einem Blick durch's Fernglas.
Für die nächsten paar Tage schlagen wir unser Nachtlager auf einem hübschen Campground etwas ausserhalb von Keystone auf und erfahren dabei, dass morgen, Samstag, der einzige Tag im Jahr ist, an welchem man auf den Arm von Crazy Horse wandern kann. Also dieses Spektakel lassen wir uns auf keinen Fall entgehen!
Als wir heute Morgen kurz vor 9:00 Uhr mit Wanderschuhen, Rucksack und Spazierstock bewaffnet beim Crazy Horse vorfahren, müssen wir feststellen, dass wir bei weitem nicht die einzigen Wandervögel sind. Der Eintritt ist heute gratis und für diesen Volksmarsch werden ca. 15'000 Leute erwarte! Als Töfffahrer wird uns ein bevorzugter Parkplatz direkt beim Startplatz zugewiesen und nach einem letzten "Bisi" ins Plumpsklo und einem Unkostenbeitrag von US$ 1.- pro Person, marschieren wir frohen Mutes los. Der Rundwanderweg überwindet ca. 150 Höhenmeter und ist gute 10 km lang. Chind und Chegel, Alt und Jung marschiert über Stock und Stein zum Crazy Horse hinauf, dessen ausgestreckter Arm eine einzige, riesige Aussichtsplattform ist. Von hier oben hat man eine wunderschöne Aussicht über die Hügel der Black Hills und was mir besonders gut gefällt, man kann dem alten Sioux Indianer ganz tief in die Nasenlöcher gucken. Es war eine einmalige, erlebnisreiche Wanderung und obwohl wir am Abend ganz schön knuffi sind, sind wir uns einig, dass sich dieser Volksmarsch-Wanderspass auf jeden Fall gelohnt hat.
Ein weiterer Abstecher führt uns zum ebenfalls imposanten Mount Rushmore Memorial mit den vier Präsidentenköpfen von George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Nicht besonders eindrucksvoll jedoch um so spektakulärer ist eine Tour durch die niedrigen, engen Beautiful Rushmore Cave. Der Tourguide erzählt uns, dass doch tatsächlich einmal eine etwas fülligere Amerikanerin in einem dieser engen Tunnelgänge stecken geblieben ist. Wie schön, wenn man so klein und schlank ist!
Über den Badlands National Park haben wir uns schon vor unserer Reise hierher genaustens erkundigt und tatsächlich ist der Anblick von unglaublicher Schönheit und Harmonie. Goldene Hügel erheben sich sanft über grünen Talsenken und dahinter breitet sich die sagenhafte Ebene der Midwest-Prärie aus. Immer wieder bleiben wir stehen und stellen den Motor ab, nur um in die alles beherrschende Stille dieser grandiosen Weite hineinzuhören. Nur das leise Singen des Windes, der die seidig glänzenden Gräser der Prärie in wellenförmigen Bewegungen hin und her wiegt, ist zu hören. Saftig grünes Steppengras überzieht die Fläche wie ein sanfter Teppich und die verschiedenen Farben der Hügel leuchten in der hellen Mittagssonne.
Einer der schönsten Abstecher führt uns jedoch in den Custer State Park, wo wir in wenigen Metern Entfernung die verschiedensten Tiere fotografieren können, welche sich in ihrer paradisischen Umgebung von niemandem und nichts stören lassen (siehe Rocky Mountains / Die verlorene Wette!).
Nach diesem Feuerwerk von Sehenswürdigkeiten verlassen wir South Dakota auf der Interstate 90 westwärts und machen von Sundance aus einen Abstecher zum imposanten Devils Tower, der wie ein "Riesenbüggel" aus der Landschaft ragt. Da es uns nach einem Tower-Rundmarsch noch zu früh ist um den Tag zu beenden, fahren wir weiter bis nach Gillette, wo wir uns im Campground-Pool von der Hitze des Tages abkühlen.
Kurz nach Sheridan verlassen wir heute die Interstate 90 und schlängeln uns über den Highway 14 hinauf zum Bighorn National Forest. Vorbei an prächtig blühenden Bergblumenwiesen fahren wir in Richtung Burgess Junction. Auf dieser Strecke haben wir die Gelegenheit, zwei Moose (Elche) zu beobachten, welche da friedlich am Wegrand grasen. Der Campground des Prune Creek State Parks scheint uns für heute der geeignete Platz zum Übernachten und so stellen wir unseren Camper auf einem dieser wunderschönen Plätze direkt am Tongue River ab. Da die Sonne noch hoch am Himmel steht mache ich mich gleich auf zu einem Erkundungsmarsch, während sich Marco die wärmende Mittagssonne auf den Pelz scheinen lässt. Schon kurz nach meinem Abmarsch begegne ich einem freundlichen, alten Fischer, mit welchem ich mich eine Weile ganz nett unterhalte. Er mahnt mich zur Vorsicht, da hier in der Gegend Mountain-Lions leben. "Okay, ich werde ganz gut aufpassen!" verspreche ich ihm und verabschiede mich mit einem freundlichen "Petri Heil!"
Dem Fluss entlang marschiere ich durch den Wald und jedes noch so kleine Geräusch lässt mich gespannt aufhorchen. Als ich jedoch plötzlich vor einer bunt blühenden Blumenwiese stehe, durch welche sich der River schlängelt, sind die wilden Berglöwen und die Gefahren vergessen und ich staune nur noch ob der herrlichen Farbenpracht. Diese Idylle muss ich unbedingt mit meiner Kamera festhalten. Mit ein paar Schritten vorwärts bringe ich mich in Position, um einen richtig tollen Ausschnitt fotografieren zu können. Gerade als ich meinen Fuss wieder im weichen Gras abstelle, raschelt und bewegt sich unter mir etwas und lässt mich für einen Moment fürchterlich zusammenzucken. Eine Schlange! Ja, tatsächlich, unmittelbar neben meinen Füssen schlängelt sich eine aufgescheuchte Schlange durchs Gras. "Mein Gott, hast du mich erschreckt", sage ich zu ihr, als der grosse Schrecken vorbei ist. Eigentlich habe ich ja gar keine Angst vor Schlangen, aber so eine unverhoffte Begegnung lässt sogar mich zusammenfahren. Ich gehe ganz vorsichtig auf sie zu, um sie mir aus der Nähe anzusehen. Sie ist etwa einen halben Meter lang und wie ich an ihrer Kopfform erkennen kann nicht giftig. Sie muss fürchterliche Angst vor mir haben und nur mit viel Mühe gelingt es mir, sie zu fotografieren.
Am Abend am Lagerfeuer erzähle ich Marco von meiner erlebnisreichen Wanderung und ich kann fast sehen, wie sich seine Nackenhaare vor Abscheu sträuben. Mit der Abenddämmerung kommen auch die Tiere zum Vorschein und direkt am gegenüberliegenden Flussufer äst ein einzelnes Reh und beobachtet uns immer wieder aus sicherer Entfernung.
Mit 10% Gefälle und über 'zig Kurven rasen wir heute der Wildwest-Stadt Cody entgegen, wo wir zwei Nächte bleiben und uns das Old Trail Town und eine völlig langweilige Gun-Fight-Show ansehen. Nichts und niemand hält uns mehr in diesem Touristen-Nest und so hauen wir ab Richtung Norden.
In weiten Kehren schraubt sich der Chief Joseph Highway bergauf. Wir müssen einfach immer wieder stoppen, um dieses herrliche Panorama und die einzigartige Streckenführung zu geniessen. Die zerklüftete Bergwelt, die steilen Felswände, an denen sich die einsame Strasse entlangschmiegt und hunderte von Kurven ziehen uns völlig in ihren Bann. Eine feine Panoramastrasse, die tatsächlich durchgehend geteert ist, führt uns durch die phantastische Bergwelt des Shoshone National Forest, wo uns ein grosses Schild am Wegrand darauf hinweist:
"You are in Grizzly-Bear County"
Aha, hier oben sind also die gefürchteten Teddy's zu Hause.
Nur alle paar Schaltjahre, so scheint's kommt uns ein Auto entgegen. Dann aber in amerikanischer Fahrweise, mitten in der Strasse, so dass es manchmal ein wenig eng wird für Mensch und Maschine. Wir taumeln von einem landschaftlichen Höhepunkt zum andern, erfreuen uns an blühenden, farbigen Blumen, tiefblau leuchtenden Seen und zahlreich verzweigenden Bachläufen.
Markant erheben sich die Gipfel der Rocky Mountains in den Himmel und wir lassen unsere Blicke über das sagenhafte Panorama gleiten. Die umliegenden Berge sind zum Greifen nah und bei herrlicher Fernsicht fahren wir auf dem Beartooth Highway durch den Custer National Forest hinauf zum Beartooth Pass. Ein wenig wundere ich mich schon, als ich plötzlich vor Marco ein Lastwagen mit vorgespanntem "Pfadschlitten" bemerke, doch als wir um die nächste Kurve biegen, ist mir alles klar. Da oben liegt noch so viel Schnee - auch auf der Strasse - dass ohne die Hilfe des "Pfaders" für Marco auf seiner Goldwing kein Durchkommen gewesen wäre. So schlittern wir dann förmlich über den Pass und somit in den Bundesstaat Montana.
Wir biegen auf die Interstate 90 ein und leider gibt's hier für ein paar Meilen keine gemütlichen Roads mehr. Auf direktem Weg pfeilen wir Richtung Helena und von da aus in schüssiger Fahrt durch den Flathead National Forest nach Bigfork, wo wir im Wayfarer State Park übernachten und uns über die morgige Weiterfahrt Gedanken machen.
Das Wetter schaut heute Morgen recht unentschlossen aus und nach einer kurzen Besprechung und einem Blick in den wolkenverhangenen Himmel sind wir uns darüber einige, nicht weiter Richtung Osten - zum Glacier National Park- sondern über Idaho zur kanadischen Grenze weiterzufahren.
Mit dem Grenzübertritt in Porthill verlassen wir die USA für die nächsten paar Wochen und befinden uns ab sofort in Canada und der Provinz British Columbia.