Route Rockies CANADA
Gesamtreisezeit: 36 Tage (14. Juni - 19. Juli 2000)
Gesamtstrecke: 4'074 km (2'546 miles)
Route:
Creston - "Summit Lake S.P." - Salmon Arm - "Walensteen Lake S.P." - Salmon Arm - "Mount Revelstoke N.P." "Glacier N.P." - Illecillewaet Campground (Glacier N.P.) - "Yoho N.P." "Emerald Lake" "Takakkaw Falls" - Field - "Banff N.P." "Lake Louise" - Waterfowl Lakes Campground (Banff N.P.) - "Icefields Parkway" "Columbia Icefield / Athabasca Glacier" "Sunwapta Falls" "Athabasca Falls" - Wabasso Campground (Jasper N.P.) - "Jasper" - Wapiti Campground (Jasper N.P.) - "Mount Robson Prov.Park" "Wells Gray Prov.Park" - Pyramid Campground (Wells Gray P.P.) - "Helmcken Falls" "Dawson Falls" "Pyramid Mountain" "108 Mile Roadhouse" - Williams Lake - "Barkerville Historic Town" - Lowhee Campground (Barkerville) - "Cottenwood Roadhouse" - Beaumont Prov.Park Campground - "Moricetown Native Fisher" "Ksan Indian Village" - Kitwanga - "Stewart-Cassiar Highway 37" "Bear Glacier" - Stewart (B.C.) / Hyder (USA) - "Fish Creek" - Iskut - "Spatsizi Plateau Wilderness Prov.Park" - Watson Lake (Yukon) - "Signepost Forest"
Mit flinken Fingern machte sich Marco vor ein paar Tagen an "Little Sunshine" zu schaffen. Ein ganz normaler Technik-Check, wie er ihn schon unzählige Male absolviert hat. Doch die Freude darüber, dass technisch mehr oder weniger alles in Ordnung ist, weicht dem Anblick der schon wieder abgefahrenen Reifen schierem Entsetzen: Statt schwarzem Gummi strahlt uns schon bald die graue Leinwand entgegen und wir hoffen und bangen, dass der Gummi noch bis Salmon Arm durchhält. Problemlos reisen wir über Porthill nach Canada ein, wo wir von einem sympathischen Zollbeamte - ein ehemaliger Österreicher - mit einem freundlichen "Servus!" begrüsst werden, als er unsere Schweizerpässe sieht.
Wir geniessen die herrliche Fahrt auf dem Highway 3A dem Kootenay Lake entlang, wo wir in Kootenay Bay mit der Fähre nach Procter übersetzen. Zwischen dem Kokanee Glacier Provincal Park und dem West Arm Provincal Park hindurch gelangen wir nach Nelson und von da aus über den Highway 6 zum Summit Lake. Auf dem gleichnamigen Provincal Park Campground stellen wir "Little Sunshine" direkt am Seeufer ab und nutzen die Gelegenheit, wieder einmal ein gemütliches Lagerfeuer zu entfachen. Das heisst, für Marco ist es nicht unbedingt ein Vergnügen, der Arme muss für unser 7-stündiges "Trapper-Fernsehen" das ganze Holz hacken.
Die Gipfel der umliegenden Berge spiegeln sich heute morgen in der spiegelglatten Seeoberfläche und es fällt uns schwer, von diesem idyllischen Fleck Abschied zu nehmen. Über Nakusp geht die Fahrt weiter dem Upper Arrow Lake entlang Richtung Süden, wo wir in Fauquier wiederum eine Gratis-Fähre benutzen, um nach Needles zu gelangen. In zügiger Fahrt heizen wir auf dem Highway 6 Richtung Vernon und von da aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zu Lisa und Andy nach Salmon Arm. So herzlich wie man nur von echten Freunden empfangen wird, werden wir im Viewpoint Motel & Campground von Lisa und Andy begrüsst. Bei einem gemütlichen Z'mittag-Plättli mit Buureschüblig, Bündnerfleisch, frischem, selbstgebackenem Zopf und einer Flasche Wein aus Andy's eigener Weinproduktion, wird uns so richtig warm ums Herz und wir haben einander sehr viel zu erzählen.
"Ihr seid gerade zur rechten Zeit gekommen", meint Andy. "Am Sonntag findet in Salmon Arm eine Flugshow statt und am Montag gehe ich mit Schweizer Gästen zum Kanu fahren. Wenn ihr wollt, könnt ihr gerne mitkommen?!" Na klar, so etwas lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Nach einer tollen Flugshow am Sonntag, machen wir uns heute morgen auf zu unserem River-Kanutrip (siehe Rocky Mountains / Der feucht, fröhliche Kanutrip).
Die nächsten Tage sind wir mit Muskelkater kurieren, Einkaufen und Pneu wechseln beschäftigt und lassen uns mit leckeren Mahlzeiten aus Lisa's Küche verwöhnen. Bei einem herrlichen Rundflug schauen wir uns die Gegend um Salmon Arm und das Gebiet der Rocky Mountains aus der Vogelperspektive an und obwohl es ein wunderschöner Flug war, bin ich froh, endlich wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.
An den allabendlichen, gemütlichen Lagerfeuern schliessen wir viele neue Bekanntschaften und Andy's Brennholzvorrat schwindet bedenklich unter meiner Lagerfeuer-Leidenschaft! Nicht nur die Hitze des Campfires und die wärmenden Schnäppschen lassen unsere Köpfe rauchen, schuld daran ist vor allem, das Pläne schmieden für eine zweitägige Camping-Tour zum Walensteen Lake (siehe Rocky Mountains / Camping am Walensteen Lake).
Nach drei Wochen relaxen in Salmon Arm wird es für uns so langsam aber sicher Zeit zum Weiterfahren. Mit einem zum Bersten gefüllten Kühl- und Vorratsschrank nehmen wir Abschied von unseren Freunden und machen uns auf den Weg Richtung Norden: ALASKA!
Vorbei am Mount Revelstoke N.P. fahren wir zum Glacier N.P., wo wir vom Illecillewaet Campground aus den Abbott Trails in Angriff nehmen. Die angefressenen Pfunde der letzten Wochen machen sich deutlich bemerkbar und so macht unsere Kondition auf halbem Weg regelrecht schlapp!!! Auf dem Transcanada-Highway 1 geht's schliesslich weiter zum Yoho N.P., wo wir beim Emerald Lake unsere Wanderkondition auf's Neue auf die Probe stellen und diesmal klappt's bedeutend besser. Mit jedem Meter, den wir uns vom Parkplatz entfernen, wird die Zahl der Touristen mit urbanem Outfit kleiner. Wir haben gerade die Hälfte unserer Rundwanderung zurückgelegt, als wir plötzlich vor einem Wegweiser mit der Aufschrift "EMERALD BASIN 3 km" stehen. Im Gegensatz zu gestern fühlen wir uns heute bedeutend fitter und so stellen wir uns dieser Herausforderung. Der Weg führt durch den lichten Wald und am Wegrand blühen dutzende von wunderschönen, gelborangen Frauenschuh- und purpurroten Paintbrush-Blumen. Wir bleiben stehen und bewundern diese herrliche Blütenpracht. Keine Menschenseele begegnet uns auf dem Weg und etwas mulmig ist uns hier in dieser gottverlassenen Gegend schon zumute, vor allem, weil wir "Dösel" wieder einmal unser Bärenglöcklein vergessen haben. Also müssen wir uns anderweitig bei den Bären bemerkbar machen. Mit einem unüberhörbaren Sing-Sang-, Pfeif- und Klatschkonzert ziehen wir im Gänsemarsch durch den von Hartriegel und Wachholder gesäumten Wald und staunen nicht schlecht, als wir am Ende des Trails nicht vor einem Bären dafür aber vor einem imposanten Wasserfall stehen. Die Anstrengung hat sich auf jeden Fall gelohnt und da es schon spät am Nachmittag ist, machen wir uns nach einer kurzen Rast gleich wieder auf den Rückweg.
Über die erschreckend engen Haarnadelkurven fahren wir heute morgen zum Takakkaw Wasserfall. Wir sind schlichtweg überwältigt von den gewaltigen Wassermassen die hier aus über 130 Meter Höhe in die Tiefe donnern. Gerade noch rechtzeitig vor dem Eintreffen der Busladungen voller Touristen, verlassen wir dieses Naturschauspiel und fahren auf dem Transcanada Highway 1 ostwärts zum Banff N.P., wo wir einen Abstecher zum weltbekannten Lake Louise machen (siehe Rocky Mountains / Die Idylle am Lake Louise).
Kurz hinter Lake Louise biegen wir auf den Icefields Parkway ein und fahren entlang der wunderschönen Gletscherlandschaft, wo wir unsere Aufmerksamkeit vor allem dem imposanten Athabasca Gletscher aus dem gigantischen Columbia Icefields widmen. Während wir uns fröstelnd in unseren dicken Fleece-Jacken vergraben, haben die Amis gerade mal ein Sweat-Shirt übers T-Shirt gezogen. In kurzen Hosen und Sandaletten stapfen sie auf der Gletscherzunge herum. Diese Typen scheinen nie zu frieren. Nach diesem eisigen Erlebnis geht unsere Reise weiter Richtung Jasper. Zwei kurze Trails führen uns zum Sunwapta und Athabasca Falls. Von hier aus windet sich die einsame Strasse 93A, parallel zur Hauptroute, durch den Wald. Plötzlich erspähen wir unsere erste Bärenfamilie und schliessen sie gleich ins Herz. Über eine Brücke kommt uns in einer Seelenruhe eine Schwarzbärin mit ihren beiden knuddeligen Jungen entgegen getrottet. Jetzt geht die Hektik los. Während Marco unser Vehikel zum Stehen bringt, packe ich schon mal die Kameras aus um ein paar Bilder zu schiessen. Direkt neben unserem Camper verschwindet die Bärin mit ihrem Nachwunchs ins Dickicht und wir freuen uns darüber, dass wir soviel Glück haben und so etwas Tolles erleben durften.
Es giesst wie aus Kübeln und das Wasser strömt bachartig daher, als wir heute morgen den Jasper N.P. über den Mount Robson Provincal Park verlassen. Beim Parkausgang biegen wir auf den Yellowhead Highway 5 Richtung Süden ab, welcher uns zum Wells Gray Provincal Park bringt, wo wir zwei Nächte bleiben wollen. Als hätten wir's bestellt, bessert sich das Wetter und es ist geradezu optimal für eine Wanderung zum Pyramid Mountain und eine Besichtigung der Dawson und Helmcken Wasserfälle. Nur die Mücken scheinen sich gegen uns verschworen zu haben und fressen uns auf unserer 3-stündigen Wanderung fast auf. In der herrlichsten Farben blühen da neben den blauvioletten Lupinen und den purpurroten Paintbrush-Blumen die orange farbenen Türkenbund-Lilien.
Über das Dorf "100 Mile House" gelangen wir nach "108 Mile House", wo wir uns das Roadhouse von anno dazumal ansehen. Hier machten die Pionier auf ihrer langen Fahrt Rast. Unter unsäglichen Strapazen zogen sie hier vor 100 Jahren mit ihren Planwagen durch und folgte dem Rausch des Goldes. Kurz nach Quesnel biegen wir auf die Strasse 26 ab, welche uns zum Bowron Lake Provincal Park führt. Eine Kanutour im Park fällt buchstäblich ins Wasser, weil wir wieder einmal von Dauerregen beglückt werden. Also beschränken wir uns auf eine Besichtigung von Barkerville, einer hübsch restaurierten Goldgräber Stadt.
Endlich hat Petrus etwas Mitleid mit uns und schenkt uns ein paar wärmende Sonnenstrahlen, als wir über Prince George westwärts zum Abzweiger des Stewart Cassiar Highway 37 fahren. Die Camper, die hier am Abend auf dem Campground eintreffen, lassen uns Schreckliches erahnen. Sie kommen allesamt vom Cassiar Highway und sehen aus wie durch den Schlamm gezogen. Was uns da wohl in den nächsten Tagen erwarten wird?! Mit gemischten Gefühlen wagen wir uns heute morgen auf das erste Stück des rauhen Highways, welcher uns hinauf zum Yukon Territory bringen soll. In Meziadin Junction entscheiden wir, Richtung Stewart abzubiegen. Vorbei an den hängenden Gletschern fahren wir hinunter nach Stewart und dann hinüber nach Hyder (siehe Rocky Mountains / Bärenparty in Hyder).
Wieder zurück auf dem Stewart Cassiar Highway geht's weiter Richtung Norden. Inzwischen ist das letzte Haus schon längst im Rückspiegel verschwunden und das erste Stück Gravel-Road (ungeteerte Strasse) liegt vor uns. Durch die Regenschauer der letzten Tage ist die Strasse zwar nass, aber dennoch recht gut befahrbar. Langsam aber sicher hoppeln wir auf der zum Teil recht üblen Piste nordwärts und erreichen auf diesem abenteuerlichen Weg Iskut, unser nächstes Nachtquartier. "Oh, Mann!" Little Sunshine ist ein einziger Dreckhaufen und die Aussentreppe ist vom Morast regelrecht zubetoniert, so dass wir nur mit viel sauberem Wasser und Geduld das Ding wieder frei kriegen. Das letzte Stück des Stewart Cassiar Highway ist absolut das schlimmste Stück. Es giesst wie aus Kübeln und wir stecken mitten drin in diesem Schlammassel. Wir bangen und hoffen, dass der Regen bald aufhört und die Gravel-Road bald in ein Ende nimmt. Mit dem Eintreffen in Watson Lake haben wir die Schlammschlacht heil überstanden und "Little Sunshine" hat eine ordentliche Wäsche verdient.
Nichts desto trotz freuen wir uns riesig darüber, dieses Stück Abenteuer-Highway ohne Zwischenfall überstanden zu haben: WELCOME TO YUKON!