Der feucht, fröhliche Kanutrip
19. Juni 2000. Gleich nach dem Eintreffen in Salmon Arm bei unseren Freunden Lisa + Andy haben wir entschieden, zusammen mit Andy, Peter und den beiden Schweizer Gästen Leonz und dessen Sohn Markus, am Montag auf einen Kanutrip zu gehen.
Am knisternden Lagerfeuer wird alles genau besprochen und Andy versichert uns, dass die morgige Kanufahrt auf dem Sushwap River überhaupt kein Problem ist. Wie sich allerdings zu vorgerückter Stunde herausstellt, ist er bei seinem letzten Kanutrip prompt gekentert und um ein Haar abgesoffen - einer seiner Schuh gilt seit diesem Zwischenfall als vermisst! Mit etwas gemischten Gefühlen legen wir uns schlafen und ich muss gestehen, dass ich nach dieser Story nicht gerade eine ruhige Nacht verbracht habe.
Nach einem deftigen Frühstück aus Lisa's Küche laden wir die Kanus auf Andy's Pickup-Truck, die Kühlboxen und die Ersatzwäsche in den Van und los geht die Fahrt Richtung Sushwap River. Wir lassen den Van am unteren Teil des Flusses bei einer Brücke stehen, packen Food und Passagiere auf den Pickup-Truck und fahren ein paar Meilen Fluss aufwärts zum Ausgangspunkt unserer heutigen Kanutour. Mit Schrecken haben wir bei unserem Zwischenhalt an der Brücke festgestellt, dass der Fluss ganz schön viel Wasser führt. Leonz wird auf einmal auffallend ruhig und auch in meiner Magengegend macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Verzweifelt suche ich nach einer Ausrede, um doch nicht auf diese Wildwasserfahrt mitgehen zu müssen, doch es fällt mir einfach nichts Gescheites ein und da ich auf keinen Fall zugeben will, dass ich Schiss habe, folge ich Leonz Vorbild und werde stumm wie ein Fisch.
Ich verziehe mich für ein letztes "Angst-Bisi" hinter die Büsche, während die Männer mit vereinten Kräften die Kanus abladen und unsere wertvolle Fracht - die Kühlboxen - an Bord befestigen. Um uns die lästigen Mosquitos vom Leib zu halten, nebeln wir uns gegenseitig mit Mückenspray ein und hoffen, dass das stinkende Zeug wenigstens für ein paar Stunden hält was es verspricht. Eigentlich sind wir nun schon fast startklar, doch 'for your safety' schlüpft jeder von uns in eine dieser "gstabigen", unbequemen Schwimmwesten und schnappt sich eines dieser Riesen-Paddels. Für die Männer sind diese grossen "Chellen" kein Problem, doch für meinen Geschmack ist das Ding einfach ein paar Nummern zu gross. Aber was soll's, ich werde mit diesem Riesending schon irgendwie klar kommen.
Bei der gestrigen, hitzigen Diskussion am Lagerfeuer haben wir die Mannschaft folgendermassen verteilt: Leonz fährt mit Andy mit, die beiden "Schnurri" - Marco und Markus - shippern zusammen los und ich setze mich zu Peter ins Kanu. 'Doch halt, stopp! Das darf doch wohl nicht wahr sein?!' Als ich mir Peters Kanu genauer ansehe, bemerke ich, dass da im Gegensatz zu den anderen beiden Kanus die Holzsitzbänke fehlen. 'Na toll, die glauben wohl nicht, dass ich da mitfahre?!' und in Gedanken sehe ich mich schon wie eine Indianer-Squaw unbequem kniend den Fluss hinunter paddeln. Gerade als ich meinen Unmut äussern will, zaubert Peter aus dem Bug und Heck des Kanus zwei bequeme Foam-Sitze mit Rückenlehnen hervor und plaziert diese für uns beide im Kanu. Schlagartig hebt sich meine Stimmung und meine Mundwinkel schnellen zu einem freudigen Lächeln nach oben. So langsam aber sicher fängt mir die Sache an zu gefallen!
Unter den neidischen Blicken der Anderen steigen wir ins Kanu und nun hält uns nichts mehr auf. Mit einem kräftigen Schubbs stossen wir vom sicheren Ufer ab und versuchen, mit ein paar noch völlig asynchronen Paddelschlägen in die Mitte des Flusses zu gelangen. Doch die Strömung hat uns bereits fest im Griff und treibt uns geradewegs auf einen dicken Baumstamm zu, der da gefährlich aus dem Wasser ragt. "Paddeln, paddeln!" schreit mir Peter zu und ich mobilisiere all meine Kräfte, doch immer schneller näheren wir uns diesem verflixten, hölzigen Ding und mit einem dumpfen Knall "tütschen" wir mit voller Breitseite in den Baumstamm. "Oh boy, das fängt ja schon gut an!" Aber gottseidank ist nichts passiert und mit ein paar kräftigen Paddelschlägen manövrieren wir unser Kanu nun in die Flussmitte, wo wir uns vom ersten Schrecken erholen.
In der Zwischenzeit sind auch die anderen beiden Teams endlich losgepaddelt und so geht es nun im Konvoi den Fluss hinunter: "Row, row, row the boat, gentle down the stream ..." Peter gibt mir gerade ein paar wertvolle Tipps, wie ich mein Big-Paddel am effizientesten einsetzen kann, als schon die nächste Schwierigkeit auf uns zukommt. Eine Stromschnelle! Was bin ich froh, dass ich vor unserer Abfahrt nochmals kurz im Gebüsch war, denn sonst hätte ich mir spätestens jetzt vor Angst in die Hose gepinkelt. Wie ein kleiner Matrose folge ich dem Kommando von Kapitän Peter. Wir steuern unser Kanu ganz hart Backbord, um so den schlimmsten Schnellen auszuweichen. "Schwipp, schwapp, schwupp!" Unser Kanu schaukelt und hüpft mit uns und dem Proviant an Bord wie eine kleine Nussschale über die Stromschnellen und ich fürchte schon, dass wir jeden Moment ausleeren. Doch ganz bravourös meistern wir dieses gurgelnde Ungetüm und ich bin sichtlich erleichtert, als wir diese Schaukelfahrt endlich hinter uns haben und wir noch trockenen Fusses im "Böötli" sitzen. Also so langsam aber sicher fühle ich mich schon wie ein richtiger Seemann(-frau) und mit jedem Meter den wir Strom abwärts paddeln, schwindet meine Angst und ich fange an die Fahrt zu geniessen.
Das Wetter heute ist einfach perfekt für eine Kanutour und Peter zeigt mir die Schönheiten dieser Gegend. Wir fahren vorbei an saftig grünen Sommerwiesen, bestaunen einen von Schneewasser gespiesenen Wasserfall und passieren ein lauschiges Plätzchen am Flussufer wo Peter mir vorschwärmt, dass er gerne noch einmal 18 sein möchte. "Tja Peter, lang, lang ist her ...". Da wir also alle, nach Peter's Meinung, schon etwas zu alt für solch lauschige Plätzchen sind, paddeln wir tüchtig weiter und eine nächste kleine Stromschnelle bringt uns sofort wieder auf andere Gedanken. "Just a piece of cake" für uns erfahrene Kanufahrer und ich bin eigentlich schon fast ein bisschen enttäuscht, als Peter mir sagt, dass dies die letzte Stromschnelle auf unserer heutigen Fahrt war.
"Ein paar Meter Strom abwärts gibt es aber noch einen weiteren Höhepunkt auf unserer Reise", erklärt mir Peter. "Da verzweigt sich der Fluss und fliesst dann etwas weiter unten wieder zusammen. Die Fahrt da hinten durch ist wunderschön, wir sollten versuchen da durch zu fahren." Obwohl dies die Stelle ist, wo Andy bei seiner letzten Kanutour gekentert ist, stimme ich Peter's Vorschlag begeistert zu. "Let's do it!" Wir steuern unseren Kahn hart Steuerbord auf die schmale Einfahrt zu. Zu unserer Überraschung sehen wir, dass Andy mit Leonz den linken Flussarm wählt - wahrscheinlich hat er vom letzten Mal noch genug - und die beiden Leichtmatrosen Marco und Markus verpassen vor lauter "schnorren" prompt die Abzweigung. Na ja, was soll's! Fahren wir beide eben alleine hier hinten durch. Je näher wir der schmalen Durchfahrt kommen, um so deutlicher können wir das viele Treibholz sehen, welches der Fluss hier abgelagert hat. Konzentriert suche ich die Passage nach einer Durchfahrtsmöglichkeit ab. 'Ich glaube, da vorne rechts ist's gar nicht so schlecht', denke ich für mich und paddle in Gedanken versunken kräftig darauf los. Doch aus der Sicht meines Steuermannes scheint die linke Seite geeigneter zu sein und mit gleicher Konzentration steuert er hart Backbord. Im Zickzack schaukeln wir auf den Engpass zu und viel zu spät sehen wir, dass da vorne, ganz knapp unter der Wasseroberfläche ein riesiger Baumstamm liegt, welchem wir uns mit der reissenden Strömung rasend schnell nähern. "Muesch rächts hebe, muesch rächts hebe!" ruft mir Peter verzweifelt zu, doch da macht es schon "bummm" und wir laufen mit vollem Garacho auf den Baumstamm auf . "Nein, nicht schon wieder!" Mit einem verschmitzten Lachen schaue ich über die Schulter zu Peter und dann über die Bordkante und stelle fest, dass wir mit dem Bug regelrecht auf dem Trockenen sitzen. Jetzt bloss keine falsche Bewegung machen, denn sonst kentert das Boot und wir liegen mit dem ganzen Plunder im eiskalten Wasser. Stocksteiff sitze ich auf meinem bequemen Schaumstoff-Sitz und warte darauf, bis uns Peter aus dieser ungünstigen Lage befreit.
Uff, da sind wir gerade noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Um ein Haar wären wir an der gleichen Stelle wie Andy gekentert. Wir hätten den andern einfach gesagt, dass wir nach Andy's vermisstem Schuh gesucht haben. Aber gottseidank benötigen wir keine solch blöde Ausrede und können gemütlich den einsamen Flussarm hinunter paddeln. Dieser Teil des Fluss ist sehr ruhig und gleicht mit seiner Vegetation mehr einem kleinen See als einem Fluss. Unsere Paddelschläge werden allmählich langsamer und wir geniessen diese Ruhe und Idylle. Für einen kurzen Moment schliesse ich die Augen und lausche der Stimme der Natur. Nur das Zwitschern der Vögel und das regelmässige eintauchen von Peter's Paddel ist zu hören, ich bin umgeben von einem elysischen Klang. Da plötzlich: "platsch, platsch, platsch", werden Peter's Paddelschläge hastiger und ich spüre geradezu die unangenehme Hektik. Geschwind öffne ich meine Augen und stelle mit Schrecken fest, dass wir geradewegs auf das mannshohe Schilf zu rasen. Noch ehe ich reagieren kann, verschwinden wir im Dschungel von Schilfblättern und -kolben. 'Aha, deshalb also wollte Peter hinten rum fahren'. "Ups! Wir sind wohl etwas vom Kurs abgekommen", meint Peter nun verlegen und schleunigst legen wir den Rückwärtsgang ein, um uns aus dieser peinlichen Lage zu befreien. 'Tja, ja, der Peter der ist schlau ....', kann ich dazu nur sagen!
Jetzt nur noch auf unseren Weg konzentiert, geht es weiter Fluss abwärts. Obwohl es hier auf unserer Umfahrungsstrecke sehr schön ist, scheint mir das Stück fast endlos: 'Wann endlich kommt bloss die Einmündung in den Hauptarm', denke ich für mich und freue mich schon darauf, dort auf die beiden anderen Paddel-Teams zu treffen. Doch von denen ist bei unserem Eintreffen weit und breit nichts zu sehen und da der vereinbarte Picknickplatz wegen des Hochwassers komplett überschwemmt ist, paddeln Peter und ich noch ein kleines Stück weiter. Wir finden eine Sandbank, wo wir unseren Z'mittag trockenen Fusses einnehmen können. Behende sichern wir unser Kanu am seichten Flussufer, laden die Kühlbox aus und halten nach den anderen Ausschau. Wir warten, und warten, und warten ... doch wir hören und sehen nichts von unseren verschollenen Freunden. "Wo die bloss bleiben?", macht sich nun auch Peter langsam Sorgen. "Die werden doch wohl nicht gekentert sein!?", gebe ich zu bedenken und so langsam aber sicher wird mir angst und bange bei dem Gedanken, dass sie irgendwo unterwegs abgesoffen sind. Auf einmal finde die Idee von unserer einsamen Schleichtour doch nicht mehr so gut. Ich bin schon fast dem Verzweifeln nahe, als ich von meinem Ausgucksposten aus endlich Andy's Kanu erblicke. "Hier her, hier sind wir!" schreie ich ihm lauthals zu, stehe auf die Zehenspitzen und fuchtle mit den Armen wild durch die Luft, damit sie uns auch bestimmt sehen. Erleichtert atme ich auf, als ich auch das zweite Kanu mit Marco und Markus um die Flussbiegung kurven sehe. Mit einem Freudensprung hüpfe ich vom Ausguck und schreie Peter zu: "Sie chömed, sie chömed, sie händ eus gseh!" und ich meine, auch auf Peter's Gesicht ein Zug von Erleichterung erkennen zu können.
Die Strecke auf dem Hauptarm muss einiges länger sein oder die faulen Kerle haben sich einfach ein bisschen von der Strömung treiben lassen. Wir werden es wohl nie erfahren, was der wirkliche Grund für ihr spätes Eintreffen war, doch Hauptsache ist, dass wir nun wieder alle zusammen sind und es endlich etwas zu "fooden" gibt. Andy schmeisst das Feuer an, während wir mit dem Auspacken der Würste beschäftigt sind und natürlich fehlt bei unserem Picknick auch der gute, eisgekühlte Weisswein nicht - etwas feuchtes braucht der Mensch! Verlegen berichten Peter und ich den Anderen von unserem ominösen Abstecher ins Grüne und kassieren dafür prompt ein paar dumme Sprüche und zweideutige Bemerkungen.
Wir geniessen den feinen Z'mittag und die gemütliche Stimmung, doch bald schon ist es Zeit zum Aufbrechen, falls wir heute noch unser Ziel erreichen wollen. So packen wir den ganzen Grümpel wieder in die Kanus, löschen das Feuer und hüpfen vollgefressen in unsere Boote um die abenteuerliche Flussreise fortzusetzen. Unsere Nachmittagsmüdigkeit oder der Wein macht sich nun in unserem Fahrstil bemerkbar. Das Dreamteam Marco und Markus paddeln im Zickzack durch die Gegend - wahrscheinlich macht sich der Wein bemerkbar - Andy und Leonz scheinen ein Mittagsschläfchen zu halten und tauchen nur dann und wann noch ihre Paddel in den Fluss, während Peter und ich uns immer noch bemühen Kurs zu halten und ein gutes Bild zu machen.
Mit dem Auftauchen eines stolz über uns kreisenden Weisskopfseeadlers, dem Sichten eines ässenden Rehes und dem davonfliegen eines Silber-Reihers sind wir auf einmal alle wieder munter und zu neuen Abenteuern bereit. Gerade kurz bevor sich der Fluss zu einem "Gooseneck" windet, entdeckt Peter eine überflutete Stelle. "Chum, mir nämed en Abchürzig!" flüstert er mir zu und mit kräftigen Paddelschlägen steuern wir auf das seichte, Gras bewachsene Flussufer zu. Blitzschnell erkennen Marco und Markus, dass wir schon wieder vom Kurs abweichen und diesmal lassen sie uns nicht mehr entkommen. Mit vereinten Kräften verfolgen sie uns und erkennen bald, was wir vorhaben. Gekonnt setzen wir unser Kanu an Land, hüpfen behende aus dem Boot und wollen gerade mit unserem Kahn im Schlepptau davon rennen, als wir sehen, wie die beiden anderen Helden in ihrer Eile völlig ungeschickt auf eine Sandbank auflaufen. Völlig chaotisch versuchen sich die beiden aus der misslichen Lage zu befreien. Sie rudern links, sie rudern rechts und mit viel Glück schaffen sie es, wieder Wasser unter den Rumpf zu bekommen.
Wir lachen uns halb tot über die beiden, während wir mit unserem Kanu zum gegenüberliegenden Ufer eilen und dort pfeilschnell wieder ins Kanu springen. Gefolgt vom "M&M-Dreamteam" paddeln wir mit unseren Kanus über die überflutete Weide, während Andy und Leonz auf dem "Gooseneck"-Abschnitt dahingondeln und ganz gemütlich ein bisschen in der Suppe rühren. Dafür werden wir auf unserer Sumpftour mit ein paar vorwitzig aus dem Wasser guckenden Wasserschildkröten belohnt.
Noch ein weiteres Mal windet sich der Fluss durch die Landschaft, doch diesmal ist nichts mit Abkürzung nehmen, denn die Biegung geht um einen Felsen herum. Peter und ich fahren dem Gleithang entlang, während Andy der Seebär mit Passagier Leonz die Mittelströmung wählt. Nur unser Dreamteam glaubt die Ideallinie gefunden zu haben und will uns alle austricksen, indem sie ganz innen durch paddeln wollen. "Das kann auf keinen Fall gut gehen!" höre ich Peter sagen, als die beiden Schlaumeier prompt von einem Strudel erfasst werden, welcher sie in Richtung Böschung treibt. Um ein Haar wären sie gekentert und von wegen auf der Innenspur überholen, dafür müssen die beiden schon noch ein bisschen üben!!! Eines ist ihnen jedoch sicher: nicht unser Beifall, dafür aber unser Gelächter!
Wieder auf Kurs geht unsere Fahrt weiter stromabwärts und so langsam aber sicher unserem Heimathafen, der Brücke, zu. Während wir zwei Teams paddeln was das Zeug hält, gondeln Andy und Leonz immer noch gemütlich dahin und sind dennoch die Vordersten unserer Karawane. Irgendetwas scheint da nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Entweder haben die beiden wirklich die absolute Ideallinie erwischt oder Leonz direkter Draht zum Herrgott hilft den beiden so zügig und genüsslich vorwärts zu kommen.
Während wir gerade so darüber philosophieren, was wir wohl falsche machen, bemerkt mein Steuermann Peter, dass sich das "M&M-Team" erschreckend schnell unserem Kanu nähert und in dem hämischen, piratenhaften Grinsen der beiden können wir erkennen, dass sie uns entern wollen. Doch die beiden haben es weder auf mich noch auf die Kühlbox abgesehen, die faulen Kerle wollen sich einfach an unserem Boot anhängen und gezogen werden. "Denkste! Aber dä Pestalozzi isch gstorbe!" Alos klammern auch wir uns an ihrem Boot fest und so lassen wir uns gemeinsam ein Stückchen von der Strömung den Fluss hinunter treiben.
Wie eine Fata Morgana ragen in der Ferne die beiden Brückenpfeiler aus dem Wasser und das bedeutet: Wir sind schon bald am Ziel. Noch einmal legen wir vier uns ins Zeug um unseren Rückstand zu Andy und Leonz wenigstens noch etwas aufzuholen. Jetzt gilt es nur noch, ganz scharf rechts am Brückenpfeiler vorbeizusteuern und gleich dahinter ist die Anlagestelle. Die Strömung wir hier, kurz vor der Brücke nochmals merklich stärker und wir haben alle Hände voll zu tun, um uns auf dem Kurs zu halten. Nur noch ein paar wenige Meter trennen uns von unserem Ziel, als wir plötzlich "ups" in einen Strudel geraten und wir mit unserem Kanu "schwupps" eine ungewollte Pirouette drehen. Das Verfolger-Team Marco und Markus lachen uns natürlich wegen dieses Missgeschicks aus, doch im selben Moment, geraten sie in den gleichen Strudel und machen uns mit ihrem Turnaround wahrhaftig Konkurrenz.
Mit der Strömung lassen wir uns zur Anlegestelle treiben und als wir dort ankommen steht uns schon der nächste Lacher bevor. Andy und Leonz stehen halb in, halb neben dem Kanu und der ganze Kahn ist mit Wasser gefüllt. Was beim Paddeln eines Kanus so wichtig ist, hat beim Verlassen eines Kanus fatale Folgen: Zugleich! Die beiden sind überschäumend vor Freude, dass sie ohne Zwischenfälle am Ziel sind, zugleich aus dem Kanu gestiegen und prompt "platsch" ins Wasser geplumpst. "Was für eine Sch...ande!"
Bei einem deftigen Nachtessen und einem hauseigenen Rotwein werden die Abenteuer des heutigen Tages nochmals in jeder Einzelheit ausgeschmückt und so langsam aber sicher macht sich in meinen Schultern ein ganz übler Muskelkater bemerkbar. Todmüde sinken wir nach diesem lustigen Erlebnis ins Bett und die Erinnerung an diesen tollen Tag schaukelt uns in den wohlverdienten Schlaf.