Welcome to USA


9. - 16. März 2000. Mehr oder weniger problemlos haben wir nach knapp 2 Monaten Mexico-Aufenthalt heute die Grenze in die USA passiert. Das einzige Problem ist, dass nun unser ganzer Camper von diesem bestialisch riechenden Drogen-Schnüffelhund stinkt, verschlabbert und verdreckt ist, da ihm der Zollbeamte befohlen hat, mit seinen Dreckpfoten überall hinaufzusteigen und mit seiner Schlabberschnauze in jedem Winkel und Kästchen herumzuschnüffeln. Aber was soll's, wir sind im Moment nur froh, dass wir dieses Zollprozedere so easy überstanden haben. Ich werde allerdings nie verstehen, wieso einige Beamte so unfreundlich und arrogant sind?!

Mit einem Mal ist alles wieder viel grösser, geordneter aber auch hektischer. Es ist unverkennbar, wir sind zurück in den USA.

Da wir in den letzten Tagen fast alle unsere Vorräte vertilgt haben, steht jetzt ein Grosseinkauf an, doch zuerst müssen wir ein paar Dollar's organisieren, denn mit Pesos werden wir hier nicht weit kommen. Auf dem selben Areal wie der Supermarkt befindet sich auch gleich eine Bank. 'Hey, nichts einfacheres als das', denke ich so für mich und wir machen uns auf die Suche nach dem Bankomaten. Wir latschen um das ganze Bankgebäude herum, schauen uns in der Schalterhalle um und glauben zu spinnen. Ausser 10 Drive-thru-Bankomatschaltern - wo man von der stupiden Maschine nur bedient wird, wenn man mit seinem Fahrzeug einen Kontakt auslöst - gibt es hier nirgends einen Bankomaten für ganz gewöhnliche Fussgänger. Es fällt uns nicht im Traum ein, unseren ordentlich geparkten RV zu holen, nur um an einem der Drive-thru-Schalter Geld beziehen zu können. Also stelle ich mich am altbewährten Bankschalter an und werde da von einer freundlich lächelnden Angestellten bedient. Bei unserem netten small talk nutze ich die Gelegenheit und erkundige mich, wie bzw. wo wir am besten die 6-spurige Hauptstrasse zu den gegenüberliegenden Läden überqueren können. Die Dame schaut mich mit einem Schmunzeln auf den Lippen an und meint: "Well, there isn't a possibility to cross the street, except you're thinking about commit suicide!?" (Da ist keine Möglichkeit über die Strasse zu gehen, ausser du denkst Selbstmord zu begehen) WELCOME TO USA!

So machen wir es wie alle Ami's, wir kaufen auf dieser Strassenseite ein und fahren dann mit dem RV zu den Geschäften auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Absolut crazy!

Dass es hier in den USA noch mehr so Crazy-Guys gibt, merken wir spätestens auf dem Campground in San Antonio, wo wir uns über ein paar völlig verrückte Ami's amüsieren. Eigentlich sind wir ja von Walti's Camper schon einiges an Luxus und Grösse gewöhnt, doch mit was für Vehikel die Amerikaner hier unterwegs sind, übertrifft bei weitem alles was wir schon je gesehen haben und mitunter schleppen sie auch noch ihren Pkw hinterher. Die RV's haben eine Länge von 40 - 45 feet (~ 12-14 Meter) und sind mit weichen Lederpolstergruppen, edlen Echtholzmöbeln, exklusiven Marmorböden, riesigen Decken- und Wandspiegeln und jeder Menge Spotlämpchen ausgestattet. Die meisten dieser Prunkstücke haben 2 - 3 Slideouts, wo das Wohn-/Esszimmer, das Schlafzimmer und das Büro- oder Entertainment-Center ausgefahren werden kann. Daneben kommen wir uns in unserem bescheidenen 22 feet RV wie zwei arme Kirchenmäuse vor. Aber wir sind uns einig, in einem solchen Luxus-Liner würden wir beide uns nicht wohl fühlen und ich glaube ich würde keine Nacht mehr ruhig schlafen, wenn ich mit solch einem, US$ 700'000.- teuren, Camper durch die Gegend kurven müsste. Was da wohl ein kaputter Spiegel kostet?

Der absolut schrägste Vogel aber parkt nur gerade ein paar Meter weit von uns entfernt. Das er für das Anschliessen von Wasser-, Abwasserschlauch, Strom- und Fernsehkabel Handschuhe benötigt, ist noch einigermassen normal - so gibt's evtl. noch schmutzige Hände - "doch was zum Kuckuck macht er jetzt noch?" Marco und ich schauen uns fragend an. Nachdem er nun alles angeschlossen hat, die hydraulischen Stützen das Fahrzeug ausnivelliert haben und die Satelitenschüssel ausgerichtet ist, packt er einen riesigen Metallsockel und ein paar Stangen aus dem Seitenstaufach seines RV's aus. Als wären wir in einer spannenden Theateraufführung setzen wir uns mit unseren Campingstühlen in Position und schauen dem verrückten Typ gespannt zu, wie er mit ein paar wenigen Handgriffen die Stangen zusammensetzt und in dem Metallsockel verankert. "What the heck is he doing?" wundern wir uns und unsere Fantasie schlägt regelrecht Purzelbäume. Dann endlich lüftet sich das Geheimnis und wir müssen zugeben, dass wir beide nicht im Entferntesten an so etwas Verrücktes gedacht haben. Buddy - so nennen wir ihn - holt aus einer Schutzhülle eine fein säuberlich gefaltete Amerika-Flagge hervor und hisst mit patriotischem Stolz die Nationalfahne an der ca. 5 Meter hohen Fahnenstange! "Hast Du da noch Worte?" wir schauen einander nur an und brechen in schallendes Gelächter aus. Leider können wir nicht hören, ob er zu der Zeremonie auch noch die Landeshymne trällern lässt - verwundern würde es uns nicht. Damit aber noch nicht genug, zuguterletzt stellt er auch noch ein Spotlampen auf, so dass sein ganzer Stolz auch am Abend noch in aller Herrlichkeit leuchtet.

Tja, und dann läuft mir am nächsten Tag doch tatsächlich noch einmal so ein Crazy-Guy über den Weg, oder besser gesagt, er läuft gleich neben mir. Ihr kennt ihn alle bestens, genau, es ist kein anderer als Marco Seewer. Wir schlendern da also so gemütlich am Riverwalk von San Antonio entlang - vorbei an den vielen gemütlichen River-Restaurants - als Marco plötzlich wie von einem Magnet angezogen eines der gemütlichen Barbecue-Restaurants ansteuert. "Ich han unglaublich hunger!" erzählt er mir und ehe ich mich versehe, sitzen wir an einem der Tische direkt am River. Der Duft von frisch gegrilltem Fleisch steigt mir in die Nase und regt auch meinen Hunger etwas an. Nach langem hin und her entscheide ich mich schliesslich für einen Half-Pounder-Cheesburger mit Pommes frites und Marco bestellt bei Nancy - unserer Serviertochter - a whole rack of barbecue Beef-Ribs (einen ganzen Bogen gegrillte Rinderrippen). "Are you sure you can manage it?" fragt ihn Nancy belustigt, doch Marco ist sich seiner Sache absolut sicher und mir fehlen beim Gedanken an die Riesenportion jegliche Worte.

Währenddem wir auf unseren "Lunch" warten, beobachten wir die Touristen, welche in den vollbesetzten Riverbooten an uns vorbeituckern und mit ihren asiatischen Kompakt-Kameras Erinnerungsfotos knipsen. Und dann ist es soweit. Nancy balanciert ein riesiges Tablett daher und stellt mir einen Teller mit meinem Big-Cheesburger vor die Nase und Marco einen extragrossen Teller mit 8 riesigen Beef-Ribs, die kaum auf dem Teller Platz finden. Das was da auf Marco's Teller thront, würde glatt für eine ganze Familie reichen und der riesige Baked Potato muss auf einem separaten Teller Platz finden. "Enjoy your lunch!" wünscht Nancy und mit einem hämischen Lächeln auf den Lippen fragt sie: "Would you like anything else?" Ohne eine Antwort von uns abzuwarten schleicht sie sich grinsend davon und lässt uns mit unseren riesigen Portionen alleine. Doch alleine sind wir bei weitem nicht, denn mit einem Mal scharen sich ein paar Schaulustige um unseren Tisch und knippsen eifersüchtig Fotos von Marco's saftigen Beef-Ribs. "Das schafft er nie!" meint ein Pärchen am Nachbartisch belustigt, doch die kennen meinen Marco nicht. "We'll see?" gebe ich ihnen zynisch zur Antwort und wir beide wünschen uns "En Guete and let's do it!".

Noch etwas Barbecue-Sauce über das ganze geschmiert, damit es auch so richtig schön sabbert, und dann macht sich Marco an der ersten Rippe zu schaffen. Kennt ihr Obelix, aus Asterix und Oblix? Genauso genüsslich wie Oblix jeweils seine Wildschweine verdrückt, sitzt Marco jetzt hier vor seinem Teller und geniesst seine Portion Beef-Ribs. Und ob Ihr's glaubt oder nicht, er schafft wirklich die ganze Beef-Ribs-Portion. Sein Teller sieht nun einem Schlachtfeld ähnlich und die Leintuch grosse Serviette hat dringend eine Kochwäsche nötig. "Hey, guys he did it!" rufe ich voller Stolz in die Runde und Marco erntet ein paar begeisterte Beifallsrufe. Was jedoch keiner - auch Marco nicht - weiss: für morgen ist Diät angesagt! ;-)

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