Route Süden
Gesamtreisezeit: 26 Tage (9. März - 3. April 2000)
Gesamtstrecke: 4'297 km (2'686 miles)
Route:
"Zoll Brownsville" - South Padre Island - "South Padre Island Staat Park" - San Antonio - "Spanish Governor's Palace" "River Walk" "Fort Alamo" "Mexican Center" "New Braunfels" - San Antonio - "Judge Bean Museum / Langtry" - Sanderson - Rio Grande Village / Big Bend N.P. - "Hikingtrails Big Bend N.P." - Chisos Mountain Basin / Big Bend N.P. - "El Camino del Rio Highway" "El Paso" - Willcox - Tucson - "Tucson Desert Hikingtrails" - Organ Pipe Cactus N.M. - "Organ Pipe Cactus Hikingtrails" - Cottonwood / Joshua Tree N.P. - Anaheim / Los Angeles - Carson / Los Angeles - "Hermosa Beach" "Redondo Beach" "Del Amo Shopping-Center" - Carson / Los Angeles - Cottonwood / Joshua Tree N.P. - Earp
Mehr oder weniger problemlos passieren wir die Grenze von Mexico zu den USA und sind sofort umgeben von big things, big problems and crazy guys (grossen Sachen, grossen Problemen und verrückten Leuten). Einfach unverkennbar, wir sind zurück in den USA und ein Schild an der Strasse weist uns darauf hin, dass wir uns besser nicht mit Texas anlegen sollen: "Don't mess with Texas!"
Zwei tropisch heisse Tage halten wir es in South Padre Island aus, bevor uns der Wind weiter Richtung Norden nach San Antonio treibt. Wir geniessen hier auf dem Luxus-RV-Park sechs wunderschöne Tage, relaxen und amüsieren uns ob den verrückten Ami's. (siehe Der Südwesten / Welcome to USA)
Trotz unserer guten Vorsätze kaufen wir uns hier bei einem unserer Shoppingtrips einen kleinen Fernseher. Wir entschuldigen unseren Ausrutscher damit, dass wir ihn dringend zum Englisch lernen und Wetterbericht schauen benötigen!!! Mit etwas Wehmut nehmen wir nach diesen sechs wundervollen Tagen von Bobby - dem hilfsbereitesten und freundlichsten Campground-Besitzer der USA - und seinem Luxury-Campground Abschied. Auf dem Highway 90 verlassen wir San Antonio in westlicher Richtung und fahren durch Del Rio und über die imposante Pecos River Bridge nach Langtry, wo wir uns "in the middle of nowhere" die Räumlichkeiten des legendären Judge Roy Bean ansehen. Wie wir beide so gemütlich an der Saloon-Bar stehen und uns über die Helden der vergangenen Tage unterhalten, ist es uns fast, als ob wir im Hintergrund das Pianogeklimper von Molly und das Stimmengewirr der kartenspielenden Cowboys hören würden. Hier also haben sie gelebt, die wilden, gesetzlosen Typen dieser Zeit. "There was no law and only bad guys and rattlesnakes lived there!"
Noch einen kurzen Spaziergang durch den herrlich blühenden Kakteengarten und weiter geht die Fahrt nach Sanderson, wo wir unseren RV auf einem Campground direkt neben der Santa Fe Railroad-Track abstellen. Wir bringen fast die ganze Nacht kein Auge zu, denn fast jede Stunde rattert einer dieser gewaltigen Züge mit den 'zig Dieselloks und den unzähligen, nach Öl quitschenden Wagons an unserem Campground vorbei. Da sich nur ein paar Meter weiter vorne ein unbewachter Bahnübergang befindet, ist es unerlässlich, dass der Lokführer seiner "Engine" auch noch ein paar ohrenbetäubende Pfeifsignale entlockt, die uns durch Mark und Bein gehen und uns vollends aus dem Schlaf reissen. Alles rüttelt und schüttelt und uns ist, als würde der Santa Fe Express quer durch "Little Sunshine" donnern.
Völlig groggy machen wir uns nach dieser wilden Nacht auf die kurze Fahrt zum Big Bend N.P., wo wir eine Nacht im Rio Grande Village, zusammen mit ein paar hungrigen Javelina's (Wildschweinen), verbringen. Die zweite Nacht übernachten wir auf dem Chisos Mountain Basin Campground am Fusse des majestätischen Casa Grande Mountains. Neongelbe Handzettel erinnern uns nachdrücklich daran, wer in dieser Gegend eigentlich zu Hause ist: "You are in bear country!" steht da in dicken Lettern auf dem Zettel und als gebrannte Kinder halten wir uns an die Vorschriften und verstauen unseren gesamten Food und die Abfälle in einem der bärensicheren Metallschränke. Doch nicht nur Meister Petz ist hier oben in den Bergen zu Hause sondern auch der nicht ganz ungefährliche Mountain Lion. Leider oder vielleicht auch gottseidank begegnen wir keinem dieser pelzigen Freunde auf unseren wunderschönen Hiking-Trails ins Hinterland.
Auf dem "El Camino del Rio"-Highway fahren wir in kurviger Berg- und Talfahrt dem Rio Grande River entlang und schauen etwas wehmütig hinüber nach Mexico. Aber natürlich freuen wir uns auch auf die bevorstehenden Erlebnisse hier in USA. Ein unglaubliches Verlangen, endlich wieder Töff zu fahren, treibt uns zügig vorwärts Richtung Los Angeles. Hinter der Cowboy Boots-Stadt El Paso wechseln wir auf die Interstate 10, wo wir trotz der vielen chromblitzenden Trucks in amerikanischer XXL-Übergrösse ganz flott vorankommen. Die Sonne steht jetzt am späten Nachmittag tief im Westen und blendet unerträglich. Typisch Amerika, hier ist alles grösser, weiter, gigantischer und sogar die Sonne passt sich diesem Grössenwahn an. In Willcox stellen wir unseren RV vor einem Motel ab und leisten uns für diese Nacht den Luxus eines Motelzimmers. Just for fun!
Tucson heisst unsere nächste Destination, wo wir uns bei einem der grössten RV-Händler die neuesten und teuersten Super-Luxus-Camper-Modelle ansehen und uns am gratis Lunch-Buffet wie die Könige laben. Frisch gestärkt machen wir uns auf die Suche nach einem einigermassen bezahlbaren Campground am Stadtrand von Tucson. Als wir glauben, endlich einen gefunden zu haben, macht uns die Dame im Office darauf aufmerksam: "if you want to stay here you have to be 55 or older!" (wenn Du hier bleiben willst musst Du 55 oder älter sein!). Na vielen Dank! So alt sind wir gottseidank noch nicht und wir können uns angenehmeres vorstellen als neben all diesen schnarchenden Ami-Gruftis zu übernachten. Immerhin gibt uns die Dame den heissen Tipp, dass sich beim Tucson Mountain Park ein ganz toller Campground befindet, der genau das richtige für uns junges Gemüse ist. "Also nicht's wie hin!" fordere ich Marco auf und wir machen uns auf die Suche nach dem uns vorgeschlagenen RV-Park. "Oh yeah!" Sie hatte wirklich recht, die "Old Lady". Hier gefällt es uns sehr gut und kurz vor Sonnenuntergang machen wir einen wunderschönen, interessanten Hiking-Trail durch den Kakteengarten des Tucson Mountain Parks. Ein atemberaubender Sonnenuntergang verfärbt den nächtlichen Himmel langsam von leuchtendem Orange in geheimnisvolles Blauviolett. Ein Sonnenuntergang wie es ihn nur hier in Arizona zu bewundern gibt.
Der nächste Tag ist von einer ebenso strahlenden Klarheit, wie der vorhergegangene; keine Wolke steht am tiefblauen Himmel, es scheint, als ob der Regen uns aus dem Weg geht. Der Zustand der Route 86 West zum Organ Pipe Cactus N.M. rüttelt in uns die Erinnerungen an unsere Mexico Reise wach. Gut durchgeschüttelt machen wir es uns für ein paar Tage auf dem Organ Pipe Cactus N.M. Campground gemütlich, wo wir auf verschiedenen Wanderungen unseren Kreislauf in Schwung bringen und viele Tiere und Kakteen bewundern. (siehe Der Südwesten / Nobody knows...).
Einmal mehr folgen wir der Interstate 10 westwärts und kommen im Joshua Tree N.M. - unserer letzten Station vor Los Angeles - nochmals in den Genuss, auf einem dieser herrlichen "non-hookup" (ohne Anschlüsse) Staate-Parks zu übernachten. Nur noch ein paar lumpige hundert Meilen trennen uns jetzt noch von unserem Töff und ziehen uns magisch an.
Die paar Tage in Los Angeles nutzen wir um "Little Sunshine" einen Service zu gönnen, am Strand zu relaxen, uns dem Kaufrausch im Shopping-Mall hinzugeben und um zu Hause anzurufen und mit einem hämischen Grinsen auf dem Gesicht zu erfahren: "Was, bei Euch ist es noch so saukalt?!" Doch wir werden auch mit den weniger positiven Seiten von Los Angeles konfrontiert. Die Fahrzeuge auf der dreispurigen Strasse schleichen nur noch meterweise voran und wir ersticken fast in einem unendlichen scheinenden Stau. Der Grund dafür: Rush hour und Ampeln an jeder Ecke, welche garantiert asynchron geschaltet sind. Willkommen in der Welt der Grossstadt-Desperados.
Wir haben uns entschieden, von nun an mit beiden Fahrzeugen (Marco mit dem Töff und ich mit dem RV) weiterzureisen und sind nun nach vier Tagen Grossstadt-Rummel wieder "ready to go". Nur noch schnell "Little Sunshine" vom Service abgeholt und dann hält uns hier nichts mehr auf. Pünktlich um 9:00 Uhr morgens stehen wir vor dem Werkstatt-Tor um unseren RV in neuer Frische entgegenzunehmen. Nach einer kurzen Probefahrt von Marco und Ben (dem Werkstatt-Chef) brauche ich eigentlich nur noch kurz ein paar Sachen im Camper zu verstauen, doch als ich den Camper betrete, trifft mich fast der Schlag. "Was um alles in der Welt ist hier los?!" fluche ich wie ein Rohrspatz in den Werkstatthof hinaus, denn ich stehe mit beiden Füssen mitten in einer riesigen Wasserlache. Von der Fahrerkabine bis nach hinten ins WC ist alles unter Wasser.
Eine der Putzfrauen kommt mir sofort mit ein paar grossen Putzlappen zur Hilfe und missmutig mache ich mich an die Arbeit die ganze Schweinerei aufzuputzen. Auch für Ben, der sich das ganze Desaster anschaut, ist es ein Rätsel von wo das viele Wasser kommt, denn der Wassertank, so versichert er mir, ist völlig in Ordnung. "Wahrscheinlich hat einer der Mechaniker beim Waschen des Fahrzeuges mit Wasser durch den Batterieschacht bei der Treppe nach oben gespritzt," erklärt er mir und ich gebe mich mit dieser Vermutung und seiner ehrlich gemeinten Entschuldigung zufrieden, denn wir möchten nun endlich losfahren.
Auf dem Freeway 91 bzw. der Interstate 10 lassen wir Los Angeles in zügiger Fahrt hinter uns. So chaotisch sich Los Angeles Stadtverkehr anmutet, so angenehm fährt es sich auf den Freeways und Interstates. Nicht zu vergleichen mit dem Kampf und Krampf auf Europas linken Autobahnspuren. Unser heutiges Ziel heisst wiederum Joshua Tree N.M., wo wir nun ein paar Tage bleiben und ein paar Wanderungen machen wollen. Bei der Dumping-Station am Campground-Eingang füllen wir unseren Wassertank mit frischem Wasser auf. Ganz toll so ein Wasseranschluss hier in dieser knochentrockenen Gegend. Schlauch in den Einfüllstutzen gesteckt, Wasserhahn aufgedreht und schon sprudelt das frische Nass - blubb, blubb, blubb - in den 30 Galonen (ca. 115 lt.) grossen Frischwassertank. Das er voll ist merkt man daran, wenn das überschüssige Wasser aus dem Überlaufloch herausläuft - oder eben auch nicht.
Wir sind da also so gemütlich am Wasser auffüllen und freuen uns schon auf einen geruhsamen Nachmittag, als ich plötzlich bemerke, dass unser Camper "rünnt wii ne Zeine". "Stopp, stopp, stopp!" rufe ich Marco zu, der sogleich den Wasserhahn abstellt und nun auch sieht, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Der Wasserüberlauf ist furztrocken, doch ansonsten scheint aus jeder Ritze unseres Campers Wasser zulaufen. "So nen Schi...dreck!" fluche ich und nun weiss ich auch schon ganz genau wo das Problem liegt. Ich wate durch die neue Wasserlache im Camper und schaue unter dem Sofa nach. "Bingo!" rufe ich Marco zu. "Genau wie ich vermutet habe. Der Wasserüberlaufschlauch hat sich vom Stutzen gelöst und das ganze überschüssige Wasser ist statt aus dem Überlaufloch in den Camper gelaufen. Ich lasse meiner Wut über die riesige Schweinerei freien Lauf und kicke mit voller Wucht in den Hinterpneu - als ob der etwas dafür könnte. "Komm, sei doch froh, dass wir nun wissen, wo das Problem liegt", versucht mich Marco von meinem Wutanfall zu beruhigen und er bietet mir an, dass wir den ganzen "Zürisee" zusammen aufputzen und das Problem beheben werden. Den ganzen Nachmittag sind wir mit Putzen, Polster trocknen und Wasserschlauch montieren beschäftigt. Nur gut, dass wir in unserem Camper keine Teppichböden haben.
In der Nacht frischt der Wind auf und rüttelt in kräftigen Böen an "Little Sunshine". Als der stürmische Wind auch am darauffolgenden Tag nicht nachlässt, entscheiden wir uns zur Weiterfahrt Richtung Lake Havasu. Südlich des Parker Staudammes finden wir einen lässigen Campground direkt am Colorado River, wo jetzt am Wochenende einiges los ist und uns statt des Windes das dröhnen von Motoren wach hält. (siehe Der Südwesten / Rasende Angelegenheiten).
Entlang des Lake Havasu fahren wir nordwärts nach Kingman und von da aus wird unsere Reise durch die Staaten Arizona, Utah und New Mexico weiter gehen. Ein Land voller Naturwunder und unzähliger, imposanter Canyons!