Hola Mexico


7.-13. Jan. 2000. Wunderbar ausgeschlafen nahmen wir bei der Moturis unseren Camper in Empfang und fuhren noch am gleichen Tag los Richtung Süden. Auf einem Campground in Lake Elsinore machten wir es uns für ein paar Tage gemütlich, um uns an das Camperleben zu gewöhnen und uns auf die bevorstehende Baja California-Reise (Mexico) vorzubereiten.

Morgen ist es also endlich soweit, wir werden bei San Diego die Grenze zu Mexico überqueren und uns von den mexikanischen Schauergeschichten selbst überzeugen. Für ein paar Tage werden wir zusammen mit Walter Hasler - "au en Schwiizer" - durch die Baja California reisen. Wir haben ihn in Los Angeles im Hotel-Shuttle-Bus kennengelernt und herausgefunden, dass er ebenfalls mit seinem Camper die Baja California bereisen will. Er sollte heute, im Laufe des nachmittags hier bei uns auf dem Campground eintreffen.

Für uns beide ist heute nochmals Arbeiten angesagt. Während Marco das Auto kontrolliert und die Überlaufventile der Tanks reinigt, verschwinde ich mit einem Berg Dreckwäsche im Waschsalon und bringe diese auf Vordermann. Wer weiss, wann ich die nächste Waschmaschine zu Gesicht bekomme. Vielleicht muss ich von nun an unsere Wäsche im Bach waschen!

Der Nachmittag steht schliesslich ganz unter dem Motto: "sun, fun and nothing to do!" Wir sitzen in unseren gemütlichen Klappstühlen und schauen ein paar älteren Herren beim Spielen zu. Die versuchen, riesige Unterlagsscheiben in ein unwesentlich grösseres Loch im Boden zu schmeissen. Jeder Teilnehmer hat zwei Scheiben und der, welcher das Loch trifft oder dessen Scheibe am nächsten beim Loch landet, erhält ein paar Punkte. Schon bald fordern mich die Männer auf, es doch auch einmal zu versuchen und erklären mir, dass es allerdings ziemlich schwierig ist, aus dieser Distanz das Loch zu treffen. Ich stelle mich mit ihnen zusammen an die markierte Stelle und nehme das Loch ins Visier. Dann "schwupp" werfe ich meine erste Scheibe mit einem gekonnten Wurf aus dem Handgelenk nach hinten und diese kommt nur ein "Mückenscheiss" vom Loch entfernt zum Liegen. "Wow! That's not bad!", höre ich da die Männergesellschaft raunen. Nun mein zweiter Versuch: Wie ein Profi kneife ich die Augen zusammen, konzentriere mich auf's Ziel und "hopp Schwiiz" schicke ich die zweite Scheibe auf die Reise. Scheppernd stiebt sie über den sandigen Boden und landet von einem Staubwölkchen begleitet direkt im Loch. Bingo! Die Grufti's umjubeln mich und feiern mich als die Queen ihres Unterlagsscheiben-Schmeissen-Spiels. Ich jedoch bin überzeugt, das war bloss Anfängerglück!

Doch zum Feiern bleibt uns gar nicht viel Zeit, denn da biegt gerade eines dieser riesigen Motorhomes um die Ecke und zieht unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich. Marco und ich glauben unseren Augen nicht zu trauen. "Du, das ist doch der Walti", stupst mich Marco in die Seite. "Ja klar!" Jetzt erkenne auch ich den Mann, der da hinter dem Steuer dieses Mega-Campers sitzt. Es ist Walter Hasler - "de Schwiizer - mit dem wir uns hier verabredet haben. Eigentlich haben wir ja gewusst, dass er einen etwas grösseren Camper hat als wir, doch dass er in so einem Riesending (ca. 11 Meter lang) durch die Gegend kurvt - an dessen Ende er auch noch ein Jeep angehängt hat - haut uns nun fast aus den Socken. "Bin ja 'mal gespannt, wie er das Ungetüm parkieren will?" sage ich spöttisch und breitmaulfrosch lächelnd zu Marco.

Mit ein paar wenigen Handgriffen hängt Walti den Jeep ab und parkiert das Motorhome - eins-zwei-drei - absolut problemlos auf dem Stellplatz direkt neben uns. Ähhhh ...! Jetzt stehe ich aber ganz schön mit offenem Mund da und kann nur noch staunen. Als er nun auch noch auf Knopfdruck die hydraulischen Stützen und die eine Seitenwand des Campers - das Wohnzimmer - ausfährt, fallen mir schliesslich fast die Augen aus dem Kopf. So etwas habe ich noch nie gesehen! Tja, dagegen ist unser RV (Recreation Vehicle, anderes Wort für Wohnmobil, Motorhome oder Camper) mit seinen knappen 7 Metern ein richtig kleines "Schnupftrückli".

Nun sind wir aber gespannt, was dieser Luxusliner sonst noch so zu bieten hat und Walti lädt uns zwei Gwundernasen zu einer Führung ein. Da gibt es ein richtig gemütliches Schlafzimmer mit Doppelbett und natürlich einem kleinen Fernseher, ein geräumiges Badezimmer mit einer grossen Duschkabine und rundem Oberlicht, das ausfahrbare Wohn-/Esszimmer mit einem Tisch und zwei gepolsterten Sitzbänken sowie ein Sofa mit Salontisch, von wo aus man eine optimale Sicht auf den riesigen Fernseher über der Fahrerkabine hat. Die zwei riesigen Sessel in der Fahrerkabine sind mit ein paar Handgriffen drehbar, so, dass diese als zusätzliche Sofasessel genutzt werden können. Selbstverständlich fehlt auch der Videorecorder und der CD- Wechsler nicht. Was mich als Frau jedoch viel mehr beeindruckt, ist die fantastische Küche mit zwei separaten Spülbecken, dem 4-flammigen Gasherd, der riesigen Kombi-Mikrowelle (mit Backofenfunktion), den vielen "Chuchichästli" und Abstellflächen und dem überdimensional grossen Kühl-/Gefrierschrank (Foodcenter genannt). Eine Küche, von der viele Hausfrauen nur träumen. Das absolute non-plus-ultra ist jedoch die Waschmaschine mit integriertem Tumbler, die fein säuberlich in einem der vielen Schränke versteckt ist. Unbelievable! (Unglaublich!)

Mit einer eisgekühlten Cola machen wir es uns zwischen unseren RV's bequem und besprechen unsere morgige Weiterreise. Wir sind uns sofort einig, dass wir gleich morgen früh die Grenze zu Mexico passieren und uns auf der Baja California Zeit lassen wollen.

Unmittelbar nach dem Frühstück machen wir uns startklar. Da Walti noch keine mexikanische Versicherung für seine Fahrzeuge abgeschlossen hat, halten wir in Temecula bei der AAA-Versicherungsgesellschaft um eine solche zu organisieren. "Oh, das ist bei uns viel zu teuer", erklärt uns die nette Mitarbeiterin am Schalter. "Fahrt doch in die Stadt hinein, da gibt es eine Versicherungsagentur, welche auf mexikanische Versicherungen spezialisiert ist und darüber hinaus noch viel günstiger ist wie wir". 'Gibt's denn so etwas? Die schickt uns tatsächlich zur Konkurrenz. Na, da bin ich aber 'mal gespannt ob das auch wirklich stimmt', denke ich mir. Uns hat das beim Abschluss unserer AAA-Versicherung in Los Angeles nämlich niemand gesagt.

Also nicht's wie hin! Ohne grosse Mühe finden wir das Büro der mexikanischen Versicherungsagentur und werden sehr freundlich und kompetent beraten. Die Mitarbeiterin rechnet uns aus, dass eine Versicherung für unser Fahrzeug bei ihnen ca. US$ 400.- günstiger ist als bei der AAA-Versicherungsgesellschaft und darüber hinaus erst noch mehr Versicherungsschutz bietet. Diese Einsparung lassen wir uns auf keinen Fall entgehen. Sofort schnallen wir Walti's Jeep ab und während die beiden Männer hier im Versicherungsbüro die neuen Versicherungen abschliessen, fahre ich mit dem Jeep zurück zur AAA-Agentur, annulliere unsere überteuerte Versicherung und bedanke mich herzlich bei der hilfsbereiten Mitarbeiterin, für ihren wertvollen Tipp.

So, jetzt steht unserem mexikanischen Abenteuer eigentlich fast nichts mehr im Wege, ausser dem vor uns liegenden - keiner-weiss-genau-wie-funktionierendem - Grenzübertritt. Am Zoll herrscht ein riesiges Chaos und wir können nur ahnen, auf welcher der vielen Spuren wir uns einordnen müssen. Mir scheint, alle fahren einfach kreuz und quer durcheinander und schlussendlich entscheiden wir uns für die Spur ganz rechts aussen. Wir erkundigen uns bei einem Beamten - der uns eigentlich schon durchwinken will - wo wir denn hier das Einwanderungsbüro finden können. "Also, da müsst ihr durch dieses Büro dort hindurch, dann die Gasse hoch und dann seht ihr es schon", so in etwa beschreibt er uns den Weg. "Okay, alles verstanden! Nur wo sollen wir so lange unsere Fahrzeuge parkieren?" frage ich ihn höflich. "Ach, stellt sie einfach da vorne irgendwo hin", gibt er uns zur Antwort. Da es aber nirgends einen offizellen Parkplatz gibt, lassen wir unsere RV's einfach mitten auf der Fahrbahn stehen und keiner scheint sich daran zu stören.

Wir packen unsere ganzen Ausweispapiere und latschen also irgend so einem gelangweilten Beamten querfeldein durch's Büro, ganz genau so, wie uns der Beamte vorhin erklärt hat. Und tatsächlich, vom Hinterhof aus sehen wir in einiger Entfernung das Gebäude der mexikanischen Einwanderungsbehörde. Beim betreten des Gebäudes werden wir von einem mürrischen mexikanischen Beamten dazu aufgefordert eine sogenannte Touristenkarte auszufüllen und uns anschliessend wieder bei ihm zu melden. "Si, señor!" Im Büro herrscht etwa das gleiche Chaos wie draussen beim Grenzübergang. Mit 'zig amerikanischen Touristen füllen wir unsere Formulare aus und stellen uns am Schalter des Einreisebeamten an. Als dieser sieht, dass wir keine Ami's sondern stinknormale, waschechte Schweizerlein sind und Walti noch ein paar Brocken Spanisch hervorbrösmelt, wird er schlagartig freundlich und behandelt uns sehr zuvorkommend.

Mit mexikanischer Genauigkeit haut er uns einen 6-monatigen Aufenthaltsbewilligungs-Stempel in den Pass, flucht noch etwas über die doofen Ami's und wünscht uns einen schönen Aufenthalt in Mexico. That's it!

Im Gänsemarsch druchqueren wir nochmals das Beamtenbüro, ohne dass der darin schla... - Verzeihung - arbeitende Beamte von uns Notiz nimmt. Wir steigen in unsere Camper ein und setzen unsere Fahrt - vorbei an Tijuana's Slums - der Küste entlang Richtung Süden fort. Keiner der Zollbeamten hatte sich darum gekümmert, ob wir etwas illegales ins Land einführen. Bienvenida a Mexico!

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