Land's End
29.-31. Jan. 2000. Seit ein paar Tagen sind wir nun als kleiner Konvoi (3 RV's) zusammen mit Hedi + John unterwegs, die wir in der traumhaften, Robinson ähnlichen Bucht von El Requeson getroffen haben und die wie wir auch aus dem Schweizer-Ländle kommen. Heute trennen sich unsere Wege wieder, weil Walti und wir weiter an die Südspitze der Baja California, nach Cabo San Lucas, fahren wollen.
Gaby und Hedi
Marco, John und Walti
auf dem Weg nach
Cabo San LucasWegen einer idiotischen Baustelle müssen wir in La Paz - wo wir die letzten 2 Tage übernachtet haben - über eine kuriose Umleitung fahren. Ich - heute wieder einmal zum Copilot auserkoren - komme auf den ersten paar Kilometern schon ganz schön ins Schwitzen, da ich dank dieser Umleitung völlig die Orientierung verloren habe. Verzweifelt drehe und wende ich die Strassenkarte und versuche herauszufinden, auf welcher Strasse wir uns gerade befinden und wie wir am schnellsten aus diesem Chaos herauskommen. Also manchmal denke ich, dass ein Schnittmuster einfacher zu lesen ist als ein mexikanischer Stadtplan. "Da, da rechts, da geht's lang!" brülle ich plötzlich voller Aufregung Marco ins Ohr. "Ja, jetzt weiss ich genau wo wir sind." Und ich bin froh, dass wir endlich einen Ausweg aus diesem Strassen-Wirrwarr gefunden haben.
Auf dem schmalen Asphaltband fahren wir Richtung Süden. Eigentlich eine wunderschöne, problemlose Fahrt, wenn da nur nicht diese - wie vom Affen gebissenen - Busfahrer wären. In einem Höllentempo rasen sie an uns vorbei und scheinen keinen Millimeter Platz zu machen. Nur schnell etwas Lichthupen und "summmm..." sind sie mit ihren stinkenden, laut röhrenden Vehikeln schon vorbei und lassen uns noch für einen Moment in ihrem Sog taumeln. Wir sind sehr vorsichtig, denn wir möchten nicht nochmals einen Spiegel verlieren oder gar im Strassengraben landen.
In Todos Santos parken wir unsere RV's etwas ausserhalb des Städtchens, hängen den Jeep ab und fahren ins Dorf. Wir schlendern durch die engen Gassen dieses hübschen Städtchens und schlagen uns an einem dieser typisch mexikanischen Palapa-Beizchen- mit Holzbänken, Wackeltisch und Wachstischtuch - unsere Bäuche mit frischen Beef-Käse-Tacos voll. Don't worry about Salmonellen oder sonstigen Tierchen, wir werden's schon überleben! Die Umgebung um Todos Santos ist wirklich wunderschön. Da gibt es idyllische Buchten die zum Baden oder wilden Campieren (hier auf der Baja California noch erlaubt) einladen und dann und wann zieht eine Gruppe Wale vor der Küste vorbei und gibt dem ganzen einen paradisischen Touch.
Cabo San Lucas ist dagegen ein richtiger schicki-micki Touristenort, mit riesigen Hotelanlagen, ellenlangen Einkaufsstrassen, einem zum Bersten gefüllten Yachthafen und einem wunderschönen Sandstrand. Nach ein paar ruhigen Tagen an der Ostküste tauchen auch wir ein in diesen Schmelztiegel aus Luxus und Reichtum. Wir parkieren unsere RV's auf einem kleinen Campground unweit der Beach, dessen Zufahrt mich schon fast an eine Sahara-Expedition erinnert. Marco fährt mit unserem Camper voraus, gefolgt von Walti in seinem Megabus und als Schlusslicht folge ich mit Walti's Jeep und dem Anhänger. Die sandige Piste wechselt von waschbrettähnlichem Zustand zu losem Dünensand und ich schwitze Blut wenn ich sehe, wie sich die beiden RV's im Schneckentempo vorwärts bewegen und der leere Anhänger hinter mir scheppert und kleppert, als würde er jeden Moment in seine Einzelteile zerfallen. "Ah geh! Das ihr Fraue au immer grad so näs Gschiss mache müend!" meint Marco, als ich schweissgebadet ankomme.
Schnell in ein paar frische Klamotten geschlüpft und los geht es zur belebten Beach, wo die ganzen riesigen Prunkhotels stehen und ein Teil des Strandes für die Hotelgäste abgesteckt ist. Da liegen sie dann also - die Schönen und die Reichen - eingezäunt wie bei uns das Vieh auf der Weide und vollgeschmiert mit Sonnenöl wie glänzende Ölsardinen. Tja, jedem das Seine!
Wir machen es uns nach diesem amüsanten Beach-Spaziergang in einem der Strandcafés gemütlich und wimmeln die dutzendweise daherlatschenden Souvenierverkäufer. Bei einem jungen Burschen - der so bunte Textil-Armbändeli mit dem Namen darauf verkauft - werde ich schliesslich schwach. Freundlich lächelnd zeigt er mir seine Armbändeli-Kollektion und bittet mich, ihm eines dieser handgefertigten Schmuckstücke für nur 20.- Pesos (ca. Fr. 3.-) abzukaufen. "Hey Amigo", sagt Walti zu ihm, "sind die wirklich von Hand gemacht?" "Si, senñor!" antwortet der Junge schüchtern. Doch Walti gibt nicht auf und meint: "Du hast doch sicher irgendwo da hinten eine Maschine, wo Du alles einspannen kannst und "schnurrz-schnurrz-furz" ist so ein Bändeli fertig!" "No, no señor", wehrt sich da der junge Bursche heftig, "das ist wirklich alles Handarbeit."
Walti am Feilschen mit Sergio
Da ich meine eigene Vorstellung betreffend Farbkombination und Muster habe, bietet mir der Junge an, gleich hier und jetzt ein Bändeli ganz nach meinem Geschmack anzufertigen. "That's a great deal!" und so stimme ich ihm erwartungsvoll zu.
Der Junge kniet sich in den Sand, öffnet seinen Rucksack und kramt ein paar Spulen Garn daraus hervor. "Und jetzt, wo ist dein Maschineli?" will Walti gwundrig wissen. Der Junge lächelt kopfschüttelnd und ich scheine in seinen Gedanken lesen zu können: 'Der Gringo scheint mir noch immer nicht zu glauben'. Mit flinken Fingern und ohne irgend ein technisches Hilfsmittel beginnt er sein Handwerk. Uns bleibt vor Staunen das Maul offen stehen und wir können seiner flinken Technik kaum folgen. Geschickt windet er das Garn um ein einfaches Plastikplättli und allmählich nimmt das Bändeli tatsächlich Form und Farbe an.
Während wir ihm so bei der Arbeit zusehen, erfahren wir einiges über ihn und seine Familie. Er heisst Sergio und ist mit 15 Jahren der Älteste von insgesamt 8 Kindern. Seine Familie lebt ca. 10 Stunden von Acapulco entfernt in einem kleinen Dorf in den Bergen. Da seine Familie zuwenig Geld hat, können er und seine Geschwister nicht zur Schule gehen und sein Vater bringt ihnen neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch das Bändeli-Handwerk bei. "So bin ich nun hier auf der Baja California um mit dem Verkauf dieser Bändeli etwas Geld für mich und meine Familie zu verdienen", erklärt er uns, während er weiter an meinem Armbändeli arbeitet.
Hier in Cabo San Lucas bewohnt er zusammen mit einem Kollegen ein Zimmer, wofür die beiden im Monat 850.- Pesos bezahlen. Im Durchschnitt, so erzählt er uns, verkauft er im Tag ca. 4 - 5 Bändeli. Davon muss er die halbe Miete und seinen Lebensunterhalt bezahlen und den Rest vom Geld schickt er seiner Familie nach Hause. "Weißt Du, manchmal wird es schon ein bisschen eng mit dem Geld, aber eigentlich bin ich ganz zufrieden mit meinem Leben." Und genau diese Zufriedenheit strahlt der Junge auch aus.
Voller Stolz präsentiert er mir nach einer halben Stunde Arbeit das fertige Armbändeli und ich freue mich riesig darüber. Es ist wunderschön geworden, noch viel schöner als ich es mir überhaupt vorgestellt habe. Doch irgendwie ist nun nicht mehr nur die Schönheit dieses Bändeli's für mich wichtig sondern viel mehr die Erinnerung die damit verbunden ist. Ich zeige ihm, wieviel Freude er mir damit gemacht hat und wie wertvoll dieses kleine Garnbändeli für mich ist. Er bedankt sich höflich und schenkt mir zum Abschied noch einen Kugelschreiber, den er mit der gleichen Garntechnik verziert hat. Auch wenn es nur ein kleines Geschenk ist, so hat es doch sehr viel Bedeutung für mich, da es von einem Jungen kommt, der fast gar nichts zum Leben hat und trotzdem noch etwas von ganzem Herzen verschenken kann!
Die Sonne lacht uns an diesem neuen Morgen wieder mit voller Wucht ins Gesicht und fordert uns geradezu auf, uns für ein Strandabenteuer bereit zu machen. Also packen wir gleich nach dem Frühstück unser Badezeug ein und fahren los zur Beach. "Do you need a Water-Taxi?" kommt schon bald der erste Taxidriver angerannt. "Si claro!" geben wir ihm zur Antwort, "wir wollen schliesslich für ein paar Stunden zur Lover's Beach rüber", und das ist am einfachsten und schnellsten per Wasser-Taxi. 80.- Pesos will der Halsabschneider für eine Fahrt zur Beach und wieder zurück, dafür bietet er uns aber auch noch eine 20-minütige Rundfahrt mit dem Glasbodenboot an. "Okay, ist gebucht!" Und so springen wir ins Glasbodenboot-Taxi und tuckern los Richtung Lover's Beach.
Wir fahren vorbei am Pelikan-Felsen, bewundern die farbenprächtigen Fische im Wasser und werden von einer lauthals rufenden Seelöwen-Kolonie auf einem Felsvorsprung begrüsst. Vorbei am "Baja"-Felsen und dem imposanten Felsbogen fahren wir zur Divorce-Beach (Scheidungs-Strand), welche auf der Rückseite der Halbinsel, am rauhen Pazifikstrand liegt. Wir bevorzugen jedoch eher die ruhige Bucht der Lover's-Beach auf der Vorderseite der Halbinsel und so lassen wir uns da absetzen und bitten den Taxidriver, uns um 15:30 Uhr auch hier wieder abzuholen.
Hier am Land's End der Baja California ist es fast wie im Paradies. Der weisse, samtweiche Sand und die Sandsteinfelsen geben einen wunderschönen Kontrast zum glasklaren Meer, welches sich heute mit dem stahlblauen Himmel konkurriert. Das Wasser hier in der Bucht ist so herrlich warm, dass wir uns eine ganze Weile mit den Fischen im Wasser tummeln.
15:00 Uhr - ich glaube mich knutscht ein Elch - da fährt doch bereits unser Taxi-Boot vor und der Fahrer fordert uns auf einzusteigen, da es jetzt Zeit zur Rückfahrt ist. "No, no Amigo!" winken wir ihm zu, "so haben wir das nicht abgemacht. Wir gehen erst um 15:30 Uhr zurück. Hasta luego!" Wir legen uns nochmals in den weichen Sand, versinken wieder in unseren herrlichen Träumen und geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen auf unseren Luxus-Körpern. 15:20 Uhr. Mit Schweizer Pünktlichkeit machen wir uns für die Rückfahrt bereit und Marco schiesst noch ein paar letzte Fotos. Und dann warten wir und warten und warten und ... doch unser Taxiboot ist nirgends zu sehen.
Der Taxidriver muss wohl so stinkhässig auf uns sein, weil wir ihn vorhin abblitzen liessen, dass er uns nun hier auf der Halbinsel einfach sitzen lässt. Endlich! um 16:45 Uhr erbarmt sich ein anderer Taxidriver unser und bringt uns liebenswürdigerweise ans Ufer zurück. Gottseidank, denn wir haben uns schon mit dem Gedanken auseinander gesetzt, dass wir entweder über die Bucht schwimmen oder den ganzen Weg über die Halbinsel zurücklatschen müssen.
Nach einem guten Nachtessen am Hafen machen wir einen Stadtbummel und drücken uns an den Schaufenstern die Nasen platt. Also gerade viel Gescheites gibt es da nicht zu kaufen - jedenfalls nicht für meinen Geschmack - und so nehme ich mir Zeit, mich im Huichol-Indianer-Shop umzusehen, wo deren Kunsthandwerk verkauft wird. Die Indianer schnitzen aus Holz Figuren, die sie mit einer dicken Binenwachsschicht bestreichen und darauf kleine, bunte Glasperlen befestigen. So entstehen fantastische, farbenprächtige Figuren, deren Zeichnungen Stärke, Fruchtbarkeit und Glauben symbolisieren.
So kommen wir mit dem Boss dieser Galerie ins Gespräch und irgendwie auch auf das exklusive Westin Regina Resort zu sprechen. Dies ist ein extravagantes Luxushotel zwischen Cabo San Lucas und San José del Cabo, das wir uns gerne ansehen möchten. "Hey, das trifft sich gut", meint da der freundliche Hugo, "dann gebe ich Euch gleich eine Einladung zum gratis Frühstücksbuffet mit anschliessender Hotelbesichtigung mit!" Wir sind ganz baff und können es kaum glauben, dass wir soviel Glück haben. Also beschliessen wir, gleich morgen dorthin zu fahren, uns kulinarisch am Frühstücksbuffet verwöhnen zu lassen und dann das Exklusiv-Resort näher anzusehen.
Ich bin schon ganz aufgeregt, als ich mich heute morgen für die Hotel-Besichtigungstour vorbereite und mein Magen knurrt wie verrückt, wenn ich an das bevorstehende Frühstücksbuffet denke. Um 8:15 Uhr fahren wir los zum Westin Regina Resort, wo man uns gemäss Einladung um 9:00 Uhr zum Breakfast erwartet. Wir parken unseren Jeep im Hotel-Parkhaus und melden uns an der Rezeption an. "Hallo, wir haben hier von Hugo eine Einladung für das Frühstücksbuffet erhalten", erklärt Walti und hält dem Herrn an der Rezeption die Einladung unter die Nase. "Ah ja, alles klar", weiss dieser sofort Bescheid und bittet uns, hier einen Moment zu warten. Nur ein paar wenige Minuten vergehen und wir werden mit einem Shuttelbus in einen anderen Teil des Resorts gefahren. In der riesigen offenen Empfangshalle, mit herrlichem Blick auf's Meer, werden wir zusammen mit weiteren geladenen Gästen überaus freundlich begrüsst und gebeten, uns zu registrieren. 'Eigenartig?' denke ich so für mich, mache mir aber keine weiteren Gedanken und widme meine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz der prächtigen Aussicht.
Wir brauchen auch hier nicht lange zu warten, da kommt ein junger, sehr gepflegter Mann auf uns zu und stellt sich uns als Mike vor, der bei der heutigen Produktepräsentation unser Gastgeber sein wird. "Moment mal!" entgegnet da Walti, "ich glaube, es handelt sich hier um ein Missverständnis. Wir sind von Hugo zu einem Frühstücksbuffet mit anschliessender Hotelbesichtigung eingeladen worden, das hier ist nichts für uns?" "Don't worry", antwortet da der junge Amerikaner "da seid ihr schon richtig, es handelt sich hier allerdings nicht um eine Hotelbesichtigung sondern um eine Präsentation unseres Hotelproduktes und das Frühstücksbuffet wird gleich eröffnet, also müssen wir uns beeilen, um noch einen guten Platz zu kriegen."
"So nä hinderlischtigi Sauerei!" sind wir drei uns sofort einig. "Na gut, wenn die uns schon so früh am Morgen unter diesem scheinheiligen Vorwand hierher gelockt haben, sollen sie uns auch haben", meint Walti belustigt und wir folgen dem spitzbübisch grinsenden Mike - der natürlich kein Wort von unserer Schweizerdeutsch Konversation verstanden hat - in den Saal, der schon fast mit eben solchen Lackmeiern wie uns gefüllt ist. Mike begleitet uns an einen der vielen runden Tische und drängt uns sichtlich dazu, gleich ans Buffet zu gehen um uns etwas zu Essen zu holen. "Hhmmmm!" Da gibt es fast alles was das Herz begehrt: Diverse Corn-Flakes und Müesli, verschiedene herrliche Früchte, Brot, Toast, Rühreier, Bratspeck, Würstchen, Hashbrowns (Rösti), frische Fruchtsäfte und noch vieles mehr. Ich fange mal mit einem Schüsselchen Frosted-Flakes mit frischen Erdbeeren an und werde mir etwas später dann noch etwas von dem anderen Zeugs holen.
Kaum habe ich den ersten Bissen im Mund, stellt sich so ein fetter, aufgeblasener Kerl vor den Tischen in Position und bittet uns um unsere Aufmerksamkeit. Mike wird sichtlich nervös und erklärt uns, das jetzt gleich die Präsentation beginnt. Noch einmal geben wir ihm zu verstehen, dass wir an keinem Produkt interessiert sind. "Doch Dir zuliebe werden wir während des Essens mal etwas zuhören", beruhigen wir ihn; denn eigentlich ist er ja ein ganz netter Kerl.
Der Redner stellt sich als irgend so ein Oberhäuptling dieser Organisation vor und sogleich klatschen und johlen ihm seine Untergebenen so enormen Beifall zu, dass ich mich fast an einem Bissen verschlucke. Voller Konzentration und kräftig kopfnickend verfolgt Mike die Rede seines Obergurus und wie auf Kommando klatscht und johlt er oder streckt die Hände zum Zeichen seiner Zustimmung in die Luft. Wir drei schauen uns nur kopfschüttelnd an und können uns das Lachen kaum noch verkneifen. "Di sind nöd ganz putzt, was di da mached!" meint Walti trocken und zu Mike herüber ruft er: "Hey Mike, Du musst mir sagen, wenn ich auch aufstrecken muss. Weißt Du, ich verstehe nicht so gut English." Mike hält nur den Zeigefinger an den Mund und mahnt uns, endlich leise zu sein und zuzuhören.
Ich habe so langsam aber sicher von dieser Präsentation - aber noch lange nicht vom feinen Z'morgen-Buffet - genug. Also stehe ich stinkfrech auf, während der Redner da vorne weiter seine Show abzieht - und hole mir am Buffet noch einen Teller voll mit Speck, Eiern und Rösti. Tja, liebe Leute, dazu wurde ich schliesslich eingeladen! Ich will mir gerade eine Gabel mit diesen Köstlichkeiten in den Mund stecken, als ich mit einem Ohr höre wie der Redner in die Menge fragt: "Wer hier im Saal ist denn schon Mitglied unseres Clubs?" Da springt Walti mit einem Satz vom Stuhl hoch, reisst beide Arme in die Luft und johlt: "Jawohl, da, da sind mer!!!" Und mit einem Mal sind alle Augen im Saal auf uns gerichtet und der Redner verliert für einen Moment total den Faden. Wir drei halten uns die Bäuche vor Lachen und Mike würde am liebsten im Erdboden versinken, so sehr ärgert er sich über die ihm zugeteilten Gäste. Walti meint dazu nur: "Also wämmer dänn das nüme därf?" und fragt in seinem holprigen Englisch ganz unschuldig den verzweifelten Gastgeber: "Mike, habe ich etwa im falschen Moment aufgestreckt?" Der mag schon gar nicht mehr antworten und ist froh, als der Vortrag endlich zu Ende ist.
Wir haben uns in der Zwischenzeit am Frühstücksbuffet kräftig unsere Bäuche vollgeschlagen und sind eigentlich bereit zum Gehen. Doch Mike will unbedingt noch einen Abschluss unter Dach und Fach bringen und versucht uns verzweifelt und mit allen einstudierten Floskeln und Mitteln zu einer Unterschrift zu bewegen. "Also Mike, nochmals ganz von vorne", fordert ihn nun Marco auf, "um was für ein Produkt geht es hier überhaupt und was soll der ganze Zauber eigentlich kosten?" Mike nimmt seine Präsentationsmappe hervor und quaselt irgend etwas von einer Investition und Ferien kaufen und solchem Quatsch. Mich interessiert das alles überhaupt nicht und während Marco dem verzweifelten Mike so mehr oder weniger interessiert zuhört, fragt ihn Walti immer wieder über seine Vergangenheit als Barkeeper und Weiberheld aus. Ich komme mir vor wie in einem Irrenhaus und wenn wir nicht bald Schluss machen, dreht uns der arme Kerl wirklich noch durch. "Hey Guys, lasst uns jetzt das Hotel ansehen!" unterbreche ich die völlig sinnlose Unterhaltung, weil nämlich keiner von uns - ausser Mike natürlich - an einem Abschluss interessiert ist.
Völlig widerwillig führt uns Mike zu einem Appartement, welches wir uns freundlicherweise kurz ansehen dürfen. Als wir fragen, was dieses nicht übermässig luxuriöse Appartement denn nun im Tag kostet, haut es uns fast aus den Socken: Stolze US$ 650.- pro Nacht! "Are you nuts?" rutscht es mir gerade so über die Lippen. "Falls Du jedoch Clubmember bist", wendet Mike sofort ein, "kostet es Dich nur noch US$ 85.- pro Nacht. Hey, that's a big deal!" Tja, und Clubmember ist man, wenn man eine Mitgliedschaftsgebühr von US$ 42'000.- bezahlt hat mit einer Laufzeit von 47 Jahren. Völlig von sich und seinem angepriesenen Produkt überzeugt fragt er uns doch tatsächlich: "Na, wie wollt Ihr nun bezahlen, mit Mastercard oder Visa?" Der Junge ist sowas von naiv, dass wir ihn nur noch lauthals auslachen können.
Jetzt scheint er einem Nervenzusammenbruch nahe zu sein und sucht verzweifelt nach einem Vorgesetzten, der ihm aus der Patsche hilft. Wir setzen uns mit dem neuen Pimpel nochmals an einen Tisch und lassen noch ein paar unwichtige Fragen über uns ergehen. Schliesslich will er wissen, was uns an der Präsentation am besten gefallen hat. "Na ganz klar, das Frühstücksbuffet!" gebe ich ihm verwegen zu Antwort. Das haut dem Fass den Boden raus. Der räumt seinen Papierkram zusammen, bringt uns auf dem schnellsten Weg zum Ausgang und verabschiedet sich höflich - auf nimmerwiedersehen - von uns. Komisch, jetzt wartet kein Shuttelbus mehr auf uns, der uns bequem zum Parkhaus zurückbringt. Woran das wohl liegen mag?
Aber wir hatten unseren Spass und einen feinen gratis Z'morgen und den Tag lassen wir uns deswegen noch lange nicht verderben. Also beschliessen wir, die Hotelanlage auf eigene Faust zu besichtigen. Wir schleichen im ganzen Hotel-Resort umher, schauen uns mit Hilfe von Zimmermädchen die Zimmer an und inspizieren die riesige Poolanlage, den Sandstrand und den Park ähnlichen Innenhof mit den tropischen Pflanzen.
Nach diesem aufregenden Morgen gönnen wir uns eine Abkühlung an der paradisischen Santa Maria Beach und lachen noch oft über den naiven Mike und sein idiotisches Produkt, mit dem er einmal viel Geld verdienen will. Poor, poor Mike!