Aufregende Tage an der Beach
Um uns vom "Reisestress" (hi, hi, hi,) der letzten Wochen zu erholen, beschlossen wir, es uns für ein paar Tage in Los Angeles an der Hermosa Beach gemütlich zu machen und unseren Töff gegen die Inlineskates zu tauschen.
Wir fanden ein Motel direkt an der Beach, eines von der Sorte, wo die Zimmer ganz okay sind, man aber bitte schön bezüglich Sauberkeit und Funktionstüchtigkeit nicht heikel sein darf. Na ja, dafür lag dann auch der Preis noch fast in unserem Budget, vor allem weil es im Zimmer eine kleine Küche hatte und wir somit unseren Food selber kochen konnten. Wir hatten nach dem wochenlangen Restaurant- und Fast-Food richtig Spass, wieder einmal in einer richtigen Küche kochen zu können. Es war uns sogar egal, dass danach noch ein halber Tag lang der Geschmack von gegrilltem T-Bone-Steak oder Salmon in der Luft schwebte und den Putzfrauen das Wasser im Munde zusammen laufen liess.
Starkoch Marco
beim Z'nacht kochenApropos Putzfrauen: Wisst Ihr, woran man merkt, dass die Putzfrauen im Zimmer waren? Nicht etwa daran, dass im Bad "saubere" Tüechli hängen, sondern daran, dass der Fernseher auf dem mexikanisch sprechenden Talk- oder Game-Show-Kanal eingestellt ist.
Die Hermosa Beach ist bekannt für seinen herrlichen Sandstrand, den kilometerlangen Walk- and Drive-Way der Beach entlang und die 'zig Beach-Volleyballplätze. So verbrachten wir dann auch sehr viel Zeit damit, uns faul in der Sonne zu räkeln und den flinken Volleyballspielern zuzusehen, die mit schier unglaublicher Ausdauer den Ball über das Netz boxten und sich mit einem lässigen give-me-five-Handschlag und "yeah, we did it!" zu ihren gewonnen Punkt gratulierten.
Ebenso interessant war es, den wendigen Jungs zuzusehen, welche auf ihren Spezial-Velos akrobatische, ja zum Teil fast halsbrecherische Kunststücke vollführten und Pirouetten drehten. Also mir wurde es nur schon vom Zusehen trümmelig und mich packte blankes Entsetzen als Marco meinte, dass wir soetwas auf unserer Goldwing auch einmal probieren könnten. Er muss wohl zuviel Sonne erwischt haben!
Irgendetwas rüttelte mich morgens um 2:45 Uhr aus dem Schlaf. Hatte ich etwa gerade von den Akrobaten-Jungs auf ihren Velos geträumt oder war Marco auf dem Weg zur Toilette wieder einmal in mein Bett gelatscht. Nein, da war dieses Rütteln schon wieder und diesmal war es ganz eindeutig. Mit einem Schlag war ich nun hell wach und realisierte, dass dies ein waschechtes Erdbeben war. Ich schrie nach Marco der zu mir herüber gebambelt kam und klammerte mich voller Angst ganz fest an ihn.
Es rüttelte und schüttelte ganz schrecklich an allen Ecken und Enden und ich glaubte vor lauter Angst sterben zu müssen. "Was sollen wir machen?" fragte ich völlig verzweifelt meinen ebenfalls zittrigen Marco. "Wir sollten uns unter einen Tisch legen oder unter einen Türrahmen stellen". Also das fand ich keine gute Idee, denn erstens war im ganzen Zimmer kein Tisch unter den man sich hätte verkriechen können und diese wackeligen, altersschwachen Türrahmen hatten auch schon bessere Zeiten gesehen. In panischer Angst sah ich mich im Zimmer um und bemerkte, dass sich alles wellenartig bewegte, so als würden wir auf einem riesigen Teppich über's Wasser treiben. Das Beben dauerte gerade mal eine gute halbe Minute, doch uns kam es wie eine Ewigkeit vor.
Ich fühlte mich hier im obersten Geschoss des Motels wie gefangen. Als das Beben nachliess, schlüpften wir blitzartig in ein paar Klamotten und eilten nach draussen. Mir war kotzübel von der fürchterlichen Rüttelei und ich brauchte dringend frische Luft (ich glaube, ich war ein bisschen Seekrank). Marco machte sich Sorgen um unsere Goldwing, denn soviel wir wussten, sind die noch nicht seetauglich. Doch um eine bullige Goldwing zu Fall zu bringen braucht es anscheinend etwas mehr als ein kalifornisches Erdbeben. Sie stand jedenfalls noch in ihrer vollen Pracht und völlig unbeschädigt da.
Ich erholte mich nur ganz allmählich wieder von meinem Schrecken und es brauchte einige Überwindung, bis ich ins Zimmer zurück ging. Es war gerade mal eine knappe halbe Stunde seit der Rüttel-Schüttel-Aktion vergangen, als wir den Fernseher einschalteten und uns in den Live-News ein Bild über das soeben Erlebte machten. Es handelte sich dabei um ein ganz zünftiges Erdbeben mit einer Stärke von 7.0 auf der Richterskala und das Epizentrum lag ca. 30 Meilen nördlich von Joshua Tree in der Mojave-Wüste. Wie es im Moment schien, hatte Earthquake "Hector Mine" - wie es die Amis nun nannten - keine grösseren Schäden angerichtet. Ein paar Wagons eines Amtrak-Passagierzuges waren zwar aus den Schienen gehopst und eine Brücke, welche über die Interstate 40 führt, hat ein paar Earthquakerisse mehr abbekommen, aber sonst "is eh nix passiert!".
Uff, anscheinend waren wir diesmal gerade noch mit dem Schrecken davon gekommen, denn das verherende Erdbeben von 1992 hatte damals eine Stärke von 7.5 und hinterliess damals ein paar ganz beachtliche Schäden.
Mit gemischten Gefühlen legten wir uns wieder ins Bett und Marco schlief kurz darauf ein, so als ob überhaupt nichts gewesen wäre. Ich lag noch eine ganze Weile wach, bis auch bei mir die Sandmänchen vorbei kamen und mich in den Schlaf zurück holten. Doch von langer Dauer sollte meine Ruhe nicht sein, denn kurz vor 6 Uhr morgens ging es wieder los. Ein Nachbeben mit der Stärke von 5.8 rüttelte alles nochmals kräftig durch. Eigentlich war dies nur noch ein kleiner "Nach-Furzer", doch es reichte, um mich für diese Nacht endgültig aus meinen süssen Träumen zu reissen ... und Marco knurrte friedlich weiter.
Earthquake "Hector Mine" war am Morgen natürlich das Gesprächsthema Nr. 1 und die an solche Rüttelpartien gewöhnten Amis meinen nur: "It was a piece of cake. Solange nicht mal die Alarmanlagen der Autos losgehen, ist es noch nicht so schlimm." Und mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen wurden wir begrüsst: "Welcome in southern California!".
Wir wollten dieses Horrorerlebnis so schnell wie möglich vergessen und stiegen gleich nach dem Frühstück in unsere Inlineskates um etwas der herrlichen Beach entlang zu skaten. Eine angenehme Rückenwind-Meeresbrise trieb uns ganz schön flott vorwärts und ehe wir uns versahen, waren wir vom südlichen Ende der Hermosa Beach bis nach Marina del Rey geskatet. Wow! Gute 15 Kilometer hatten wir bis dahin zurückgelegt, aber nun hiess es natürlich, den ganzen Weg auch wieder zurückzufahren, und das nun bei Gegenwind und satten 30° Celsius ohne auch nur das kleinste Schattenplätzchen.
Ich war komplett auf den "Felgen", als wir nach gut 30 Kilometern endlich wieder beim Hotel ankamen und meine Füsse schrien förmlich "Halleluja", als ich die Inlines auszog. Ahhh, was für eine Wohltat, einfach hinzusitzen, die Beine hochzulagern und eine eisgekühlte Cola die Kehle hinunter rinnen zu lassen. Aber nichts desto trotz waren wir unglaublich stolz auf uns, diese enorme Distanz bei dieser Bruthitze geschafft zu haben. Yeah, we did it!
Die folgenden Tage benötigten wir um unser Muskelkater auszukurieren. Wir nahmen nur noch wesentlich kürzere Distanzen unter die Räder, aalten uns an der sonnigen Beach oder spazierten gemütlich dem Strand entlang und schauten den in den Wellen reitenden Delphinen zu.
Eines Nachmittags, als ich noch etwas Schreibkram zu erledigen hatte, zog Marco schon mal alleine los zum Strand. Er legte sich wie immer ziemlich nahe ans Wasser und schaute nichtsahnend den vorbei spazierenden Leuten zu.
Da es um diese Jahreszeit an einem stinknormalen Dienstag nicht mehr allzuviele Leute am Strand hatte, viel ihm schon von weitem die gazellenhaft daherjoggende Schönheit, welche für eine Weile seine ganze männliche Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Als die athletische Joggerin etwa auf Marco's Höhe war, drehte sie vom Strand ab und rannte leichtfüssig auf ihn zu. Dieser sah erschrocken dem Wendemanöver der jungen Lady zu und machte sich schon Gedanken darüber, ob er wohl doch etwas zu intensiv zu ihr herüber geguckt hatte und jetzt dafür eine Ladung Vorwürfe verpasst bekam. Doch nein, es kam alles ganz anders als er dachte. Nur ein paar wenige Meter von Marco entfernt blieb das bildhübsche Wesen stehen, drehte ihm den Rücken zu und liess blitzschnell, leider nur für ein paar wenige Sekunden - ihr Bikinihöschen heruntersausen.
Uff! Unschuldsengel Marco war für einen Moment völlig sprachlos und verstand die Welt nicht mehr. In diesem Moment drehte sich die Dame um und bemerkte mit blankem Entsetzen, dass der Mann da auf dem Tüechli, der mit glänzenden Augen und einem schmunzeln auf dem Gesicht vor ihr sass, gar nicht ihr Freund war. Dieser sass nämlich ein paar Meter weiter entfernt und hatte von dem ganzen Spektakel überhaupt nichts mitbekommen.
Die Schamröte stieg ihr ins Gesicht und mit zittriger Stimme stammelte sie immer wieder etwas wie: "Oh, I'm sorry, oh, I'm so sorry!" Doch Marco, der sich in der Zwischenzeit wieder gefangen hatte und dem das Schauspiel eigentlich ganz gut gefiel, meinte nur ganz cool: "Don't worry, one more time!"
Völlig verwirrt suchte die immer noch verstörte junge Frau nach ihrem Freund und ich bin sicher, dass sie in Zukunft solche Scherze unterlassen wird. Marco dagegen erzählte mir natürlich gleich von seinem aufregenden Erlebnis und meinte, dass es ihm hier an der Beach ganz gut gefällt!
Oh happy day...! Obwohl ich keine solchen spannenden "naked-Bum"-Geschichten erlebt hatte, genoss ich die herrlich warmen Tage an der Beach. Irgendwie müssen wir jedoch etwas zuviel Sonne abbekommen haben, denn auf einmal hatten wir so eine komische Idee, dass wir mit einem Teil unserer Reisekasse hier in Amerika eine Investition tätigen könnten.
Tja, und um was es sich dabei handeln könnte, werden wir Euch im Kapitel "SURPRISE" verraten.