Unser kleiner Privat-Zoo
Da direkt hinter unserem Studentenwohnhaus ein kleiner Wald angrenzt, haben wir öfters tierischen Besuch. So werden wir zum Beispiel morgens durch das Zwitschern der Vögel geweckt, können das eifrige Hämmern der Spechte hören oder werden mit dem melodischen Zirpen der Grillen und dem rauschen der Blätter in den Schlaf gewiegt.
Gaby beim Schreiben des
neuen Homepage-UpdatesRegelmässig haben wir Besuch von drei quirligen Eichhörnchen, die sich auf der Wiese tummeln, auf den wärmenden Steinen beim Swimmingpool sonnen oder ganz frech aus dem Pool Wasser trinken. Die drei Squirrels - wie sie hier in Nordamerika genannt werden - können wir gut voneinander unterscheiden. Das eine ist ganz dunkelbraun, eigentlich fast schwarz und so nennen wir es "Blacky". Das andere ist braun und hat einen ganz hellbraunen Schwanz, dieses nennen wir "Brownie". Und das Dritte muss wohl das Älteste sein, seine Farbe ist grau-braun und dieses nennen wir "Splashy".
Dass wir das eine Eichhörnchen Splashy nennen, hat einen ganz bestimmten Grund! Eines nachmittags kam Splashy angehoppelt (hoppli hopp) und wollte beim Pool seinen Durst stillen, so wie er es schon öfters getan hatte. Doch irgend etwas war heute anders! Durch die starke Sonneneinstrahlung der vergangen Tage war im Pool sehr viel Wasser verdunstet und so sehr sich Splashy auch bemühte und sich nach dem Wasser streckte, er konnte das feuchte Nass nur gerade mit seiner Nasenspitze erreichen.
Aber schlau wie er war, hielt er nach einer anderen Möglichkeit Ausschau. Er stellte sich auf seine Hinterbeinchen, streckte sein Köpfchen in die Höhe und siehe da, er entdeckte eine Stelle am Pool, an welcher es vielleicht eine klappen konnte. Mit wenigen Sprüngen hüpfte er zur Pooltreppe um dort sein Glück zu versuchen.
"Hey, das ist vielleicht ein schlaues Kerlchen!" sagte ich zu Marco und wir wollten ihn eigentlich schon "Professor Einstein" nennen. Er schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein. Lässig hockte er sich an den Treppenrand, streckte seinen Kopf dem Wasser entgegen und war bereit, den ersten erfrischenden Schluck zu geniessen, da "splash"... verlor unser Akrobat das Gleichgewicht und plumpste kopfüber in den Pool.
Wir sprangen gleichzeitig auf, um dem armen Kerlchen zu Hilfe eilen, doch eins, zwei hatte er sich selber wieder aus der feuchten Lage befreit. Er stand triefend nass am Poolrand und schaute sich verwundert um. Dann schüttelte er sich das Wasser aus dem Fell, trocknete mit seinen Pfötchen das Gesichtchen und trottete verärgert in den Wald zurück. Für heute hatte er wohl genug Wasser gesehen. Ja, und so kam "Splashy" also zu seinem Namen.
Ein anderer Besucher ist Raccoony. Er ist ein putziger Waschbär (in Engl. Raccoon), den wir allerdings nicht sehr oft zu sehen bekommen, der dafür um so öfter seine Spuren hinterlässt.
So fanden wir beispielsweise eines morgens seine Fussabdrückchen am Poolrand. An der selben Stelle, an der "Splashy" in den Pool geplumpst ist, hat auch er in der Nacht Wasser geschlürft (kein Wunder, dass der Pool so wenig Wasser hat). Die Pfötchen eines Waschbärs sehen den Fussabdrücken eines menschlichen Kleinkindes sehr ähnlich.
Eines nachmittags war Raccoony dann schliesslich so gwundrig, was da bei Wuerglers für neue Studenten wohnen, dass er sich bis auf ein paar wenige Meter ans Haus heran wagte. Raccoony und Marco schauten sich eine Weile lang verwundert an und keiner von beiden wusste so richtig, was er mit dem Anderen anfangen oder wie er sich dem fremden Wesen gegenüber verhalten soll. Und nach einer Weile des gegenseitigen Bestaunens trottete Raccoony schliesslich wieder in den schützenden Wald zurück.
Waschbären sind ganz schlaue Kerlchen. So hat uns beispielsweise Mary erzählt, dass ein Waschbär den Riegelverschluss des Abfallhäuschens geöffnet und eine herrliche Unordnung mit dem darin befindlichen Abfall angerichtet hat. Von einer anderen Person haben wir gehört, dass ein Waschbär den Reissverschluss eines leerstehenden Zeltes geöffnet hat (na, ich weiss nicht so recht?!).
Gottseidank hat unser knuddeliger Freund keine solchen Flausen im Kopf. Nur eines Nachts, als wir vergassen den Wasserball ins Gerätehäuschen zu versorgen, vergnügte sich Raccoony damit und biss in seinem Übermut den schönen Ball kaputt. Na ja, ist nur halb so schlimm! Doch über seine weiteren nächtlichen Besuche waren Paul und Mary ganz und gar nicht erfreut, denn er benutzte mehrere Nächte hintereinander das "Bödeli" der Aussentreppe als seinen "private hopper" (Privat WC). Igitt, igitt! Er scheint nicht zu wissen, dass wir Menschen solche Schweinereien überhaupt nicht schätzen!
Als Abhilfe hat Mary irgend so ein "Antischeiss-Mittel" gekauft und die Treppe damit besprüht, in der Hoffnung, dass dies Raccoony von seinen nächtlichen "Hopper"-Trips abhalten wird. Es scheint zu wirken, seit einigen Tagen haben wir keine neuen Raccoon-Kothaufen mehr auf der Treppe gefunden. Wir hoffen jedoch, dass ihn das Mittel nicht ganz vertrieben hat und er uns trotzdem wieder einmal besuchen wird.
Hey, er kann ja ganz einfach diskret hinter einem Baum "hervorgüggseln" oder vom Pool Wasser schlürfen; er braucht ja nicht gleich alles vollzuscheissen!
Der kleinste unserer munteren Freunde ist ein putziges Streifenhörnchen, welches immer auf der Flucht vor den herumstreunenden Katzen ist. Es ist mit Abstand das schnellste von all unseren Tieren hier und so haben wir es "Speedy" getauft. Wenn Gefahr droht, streckt es sein buschiges Schwänzchen kerzengerade in die Höhe und schwupp, ist es schon verschwunden. Arriva, Arriva!
Ja, so ist also immer etwas Action um unser Haus und wir sind sicher, dass wir auf unserer Reise noch andere Tiere sehen werden.
PS: Ein paar Tage nachdem ich diesen Artikel geschrieben hatte, kam Blacky zum Pool um Wasser zu trinken. Wir sahen, dass er beide Hinterbeinchen nachschleifte und er schien ziemlich schwer verletzt zu sein. Er konnte sich somit nicht am Poolrand festhalten und stürzte kopfüber in den Pool. Marco fischte ihn noch aus dem Pool und dann robbte das arme Kerlchen in den Wald zurück um dort zu sterben. Tja, "That's the circel of life!"