Crazy Days in Chicago


Der Mhai-Thai-Drink hat mich letzte Nacht gut schlafen lassen und ich fühlte mich top fit, was ich im Verlaufe des Tages noch ganz gut gebrauchen konnte.

Beim Verlassen des Hotels waren wir überglücklich, dass uns der Hotelboy ein Kombi-Taxi organisierte, so dass wir diesmal genügend Platz für unser Gepäck hatten. Doch am Flughafen angekommen standen wir diesmal vor einem anderen Taxiproblem: Die Heckklappe des Taxis liess sich nicht mehr öffnen. Marco und der Taxidriver versuchten auf alle möglichen und unmöglichen Arten die Klappe aufzukriegen, doch es half alles nichts: die Klappe blieb zu und unser Gepäck eingeschlossen. So, und nun hatte ich endgültig die Schnauze voll noch länger zu warten bis sich die verflixte Tür eventuell doch noch öffnen liess. Ich schrie den Taxifahrer an, er solle das Gepäck nun endlich zur Seitentüre herausgeben und verschwinden. Und siehe da, auf einmal klappte es. Ich wusste, dass wir doch noch zu unserem Gepäck kommen würden!

Doch nicht für lange! Als wir nach einem aufregenden Flug - zwischen American-Size Vollblutweibern eingeklemmt – in Chicago ankamen und auf unser Gepäck warteten, kam nur eines unserer insgesamt vier aufgegebenen Gepäckstücke auf dem Förderband an. Und wo war der Rest?

Nach einigem Suchen fanden wir schliesslich irgendwo in einer Ecke ein weiteres unserer Gepäckstücke. Aber das war erst die Hälfte und meine Nervosität stieg von Minute zu Minute. Eine Flughafenangestellte kam uns zur Hilfe und öffnete einen ca. 10 Meter langen Käfig in dem sich ca. 40 Koffer befanden. Bingo, eines unserer Gepäckstücke war ebenfalls da drin und so fehlte nur noch eines.

Maybe, this bag is going to be here with the next flight! Okay, also warteten wir den nächsten Flieger aus Los Angeles ab. Das ist etwa so, wie wenn man in der Schweiz auf den nächsten Bus oder Zug warten würde, so alle ½ Stunden kommt hier ein Flieger aus Los Angeles an.

Aber weit gefehlt! Auch auf diesem Flug war unser Gepäckstück nicht dabei und ich fluchte wie ein Rohrspatz vor mich hin. Es half jedoch alles nichts, unser grösstes Gepäckstück war einfach nicht auffindbar und so blieb uns nichts anderes übrig, als einen Vermisst-Report auszufüllen, ins Hotel zu fahren und zu hoffen, dass die Tasche doch noch gefunden wird.

Völlig entnervt verliessen wir das Flughafengebäude und trafen auf eine alte, sehr komplizierte Taxi-Order-Dame, welche uns aus welchem Grund auch immer, einfach einmal 20 Minuten warten liess, obwohl genügend Taxis da waren. Als sie uns dann endlich in ein Taxi einsteigen lassen wollte, kam die grosse Überraschung: im Kofferraum lag schon ein Fahrrad drin und somit war wiedereinmal überhaupt kein Platz für unser Gepäck. Wir protestierten lautstark und beim nächsten Taxi klappte es schliesslich. Wir waren froh, als wir endlich im Hotel angekommen und unserem Frust freien Lauf lassen konnten.

Am nächsten Tag erkundigte ich mich im Airport nach der vermissten Tasche. Doch ich wurde nur von dieser netten Dame am anderen Ende der Telefonleitung vertröstet und gebeten noch etwas Geduld zu haben. Ich solle in ein paar Stunden nochmals anrufen, vielleicht wüssten sie dann mehr. Und so ging das die nächsten Tage weiter und unsere Ungeduld stieg von Stunde zu Stunde, zumal sich in der Tasche ein Teil unserer Töffkleider (Handschuhe, Regenschuhe, Helmvisiere, Halstüechli) befanden und der Wetterbericht für die nächsten Tage schlechtes Wetter, ja eventuell sogar Schnee vorausgesagt hatte. Scheisse, scheisse, scheisse ...! Das war das einzige, was uns dazu im Moment einfiel und wir versuchten uns mit einer Stadtbesichtigung etwas von diesem Problem abzulenken.

Selbstverständlich durfte dabei neben einem Bummel auf dem Navy Pier und der North Michigan Avenue auch ein Blick von einem dieser riesigen Towers nicht fehlen. Wir entschieden uns für den etwas weniger hohen John Hancook Tower (nur ca. 330 m hoch!), von welchem aus man jedoch einen besseren Überblick über die Stadt hat. Es war wirklich beeindruckend die Stadt aus dieser Perspektive zu betrachten. "The windy City" - wie Chicago auch genannt wird - hat ein ganz besonderes Flaire. Neben den neuen, mehrere hundert Meter hohen Wolkenkratzern reihen sich die alten, halb zerfallenen Häuser aus dem letzten Jahrhundert mit den typischen, pechschwarzen Holzwassertürmen. Und zwischen dem ganzen Häuserwirrwar schlängelt sich die schon längst renovationsbedürftige Hochbahn mit ihren quitschend Wagen hindurch. "It’s very crazy!"

So eine Stadtbesichtigung macht ganz schön hungrig und so entschieden wir uns, einmal unseren Hunger im Rainforest Café und ein andermal im Michael Jordan Restaurant zu stillen. Das Essen und die Bedienung war in beiden Restaurants wirklich sehr gut und so werden wir Chicago – ausser was das Puff mit der Tasche anbelangt – in guter Erinnerung behalten.

Apropos Erinnerung:
Zu allem Übel gingen uns auf mysteriöse Weise auch noch die Dia-Filmrollen von unseren Chicago-Tagen verloren! "Eifach furt und tschüss und weg!"

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