Abflug ins Ungewisse
Zürich - Los AngelesHeute, am 6. April 1999 waren wir endlich "Ready for take off" für unsere langersehnte Reise. Natürlich haben wir die letzte Nacht vor Aufregung kaum ein Auge zugebracht und konnten es kaum erwarten, bis es endlich Zeit war, zum Flug zu fahren.
Nach einem letzten: "Tschüss, hebed Eu sorg und mäldet Eu emal", von Marcos Eltern, betraten wir um 6:30 Uhr mit Tränen in den Augen das Flughafengebäude um die Schweiz für die nächsten weiss Gott wieviele Monate zu verlassen.
Doch weit kamen wir nicht, denn vor der Passkontrolle wurden wir von meinem Bruder Stefan und Marco's ehemaligem Arbeitskollegen Peter erwartet, welche sich zu dieser frühen Morgenstunde aus den Betten gequält hatten, um sich persönlich von uns zu verabschieden (was muss ich für eine tolle Schwester sein!). Es tat wirklich gut zu wissen, dass man uns nicht ganz vergessen wird.
Schweren Herzens und mit verheulten Augen nahmen wir unsere letzten, tollen Geschenke entgegen, schossen noch ein paar Erinnerungsfotos und genossen die herzlichen Umarmungen. Dann hiess es endgültig: Goodbye sagen und den Schritt durch die Passkontrolle ins Niemandsland zu wagen.
Face your fears, live your dreams!
Mit der typischen Schweizer Freundlichkeit wurden wir am Gate darauf hingewiesen, dass wir unmöglich unsere Rucksäcke mit in den Flieger nehmen könnten. Auf unsere Frage hin, was wir nun tun müssten, bekamen wir im gleichen, freundlichen Ton die Antwort: "Di müend er dänk Ichecke!" Okay, gesagt - getan. Wir wollten ja nicht schon am frühen Morgen Ärger veranstalten und bei der unglaublich guten Laune dieser Angestellten weiss der Geier, was der so früh schon über die Leber gekrochen ist war es wirklich besser, einfach zu gehorchen.
So sassen wir dann sichtlich nervös und in Gedanken versunken in unseren riesigen, weichgepolsterten Businessclass-Sitzen und sahen uns etwas ängstlich an. Was wird wohl alles auf uns zukommen? Was werden wir alles erleben? Wann werden wir zurückkommen? Werden wir überhaupt zurückkommen??? You never know!
Wir sprachen uns gegenseitig Mut zu und genossen den sehr angenehmen Flug und den Luxus noch einmal in vollen Zügen - weiss gedeckte Tischchen, viel Platz für die Beine und einen eigenen kleinen Fernseher. Einer der Filme der während des Fluges lief hiess: "You got an E-Mail". Wir waren gespannt, ob das mit unseren E-Mails über den grossen Teich wohl klappen würde und ob wir auch einmal eines bekommen würden. Bitte fragt uns nicht, ob der Film sehenswert ist, wir haben während des ganzen Filmes geschlafen muss wohl am Campari-Orange-Drink gelegen haben, den wir zur Feier des Tages getrunken haben. Hicks!
Auf unsanfte Art wurden wir aus unseren Träumen aufgeweckt, als eine schon etwas ältere Kopftuch-Frau den Flieger durch die niedrige Fronttüre verlassen wollte. Oder hatte sie wohl die Toilette gesucht? Na, auf jeden Fall war dies der falsche Weg und sie rüttelte vergebens an der Schranktüre, welche sich in der Front des Fliegers befindet und wo nur die feinen Jacken der Businessclass-Gäste und unsere Cowboy-Stiefel verstaut waren.
Nach dem zwölfstündigen Flug wurden wir in Los Angeles von absolut typischem Schweizer-Wetter empfangen. Es goss wie aus Kübeln und war saukalt (Na, kommt Euch das etwa bekannt vor?). Doch bevor wir Los Angeles wirklich betreten konnten, hiess es den Behörden-Parcour der US-Emigration zu absolvieren. Wir hatten Glück, unser Schwaben-Jumbo (Lufthansa) war diesmal vor dem Chinesen-Jumbo gelandet und so kostete uns die Warterei nur ca. 30 Minunten Zeit.Dafür bot sich uns bei der Suche eines Taxis ein schier unlösbares Problem, da unser ganzes Gepäck unmöglich im Kofferraum Platz hatte. Als Marco dann die Idee aufwarf, dass vielleicht ein Gepäckstück auf dem Vordersitz transportiert werden könnte (gottseidank habe ich einen so intelligenten Mann), war das Problem endlich gelöst und wir konnten uns auf den Weg zu unserem Hotel in Marina del Rey machen. Und siehe da, je mehr wir in den Westteil dieser riesigen Stadt fuhren, umso schöner wurde das Wetter, bis wir schliesslich nur noch von strahlend blauem Himmel umgeben waren.
Bingo! Ich hatte die Wetter-Wette gegen Marco gewonnen und freute mich riesig auf ein feines, typisch Amerikanisches Nachtessen im "Island Restaurant" mit Hamburger und Cheddar-Chees-French Fries mit viel leckerer Sourcream (Hhmmm, I like it!).
Wie die Könige schliefen wir in unseren riesigen Queensize-Betten ein und labten uns am nächsten Morgen am riesigen, reich gedeckten Frühstücksbuffet, bis uns die Bäuche kullerten.
Es waren ein paar wunderschöne, wenn auch sehr windige und vor allem kalte Tage in Los Angeles doch wir genossen es, der Venice-Beach entlang zu schlendern und in Santa Monica zu "lädelen".
Selbstverständlich durfte auch ein Besuch in der "Cheescake-Factory" (Restaurant mit sehr gutem Essen und noch besseren Drinks) nicht fehlen. Wir luden dazu Daniel und Mike ein, zwei Jungs von der Moturis Vermietstation, bei welcher unser Töff eingestellt war.
Wir verbrachten einen lustigen Abend mit den beiden und obwohl ich nach dem Mhai-Thai-Drink nicht mehr ganz "alleine" war, bekam ich mit, dass unser Töff inkl. Trailer noch nicht wie versprochen in Chicago angekommen war, da der Transporter in Colorado wegen eines Schneesturmes gestoppt werden musste.
Na toll, das fängt ja schon gut an!