The first Miles


Die ersten hundert Meilen fuhren wir mit unserem neuen Gefährt sehr vorsichtig. Immer wieder schauten wir nach hinten um uns zu vergewissern, ob uns unser neuer "Freund" - der Trailer - immer noch folgte.

Na selbstverständlich! Absolut mühelos holperte der Anhänger im Schlepptau hinter uns her. Nur an die neuen Geräusche würden wir uns erst noch gewöhnen müssen. Es quietschte in der Anhängerkupplung und ächzte im Deichsel so, als würde bei der nächsten Bodenwelle der ganze Plunder auseinanderfliegen. That’s normal!

Doch Bordmechaniker Marco hatte wie immer alles fest im Griff und kontrollierte bei unserem nächsten Tankstopp nochmals alles peinlichst genau. Doch da..., oh Schreck..., was war das?!

Die ganze Front des Trailers war über und über mit Öl bespritzt! "Oh nein, so eine Scheisse" Während ich mich schon mal mit dem Abwischen der klebrig, schmierigen Masse beschäftigte, quälte Marco nur eine Frage: "Seit wann leckt eine Honda Goldwing Öl, das ist doch keine Harley?"

Wir inspizierten unser Töff von oben bis unten und fanden schliesslich die Ursache. Das Öl kam ganz eindeutig aus dem Kardangetriebe. Na bravo! Im Augenblick konnten wir nichts anders machen, als den Trailer und vor allem den ebenfalls vollgespritzten Hinterreifen vom Öl zu befreien und vorsichtig weiterzufahren. In Barrie/Kanada würden wir dann genügend Zeit haben, uns diesem Problem zu widmen.

Am zweiten Tag, nach unserer Abreise in Chicago, passierten wir – mit unserem Öl spritzenden, quitschenden Ungetüm - die Grenze zu Kanada. An dem "kleinen" Grenzübergang in Sarnia - nördliche von Detroit - war an diesem Nachmittag absolut nichts los und so konnten wir nach 15 Minuten unsere Reise bereits fortsetzen.

Wir wussten, dass wenn wir uns ein bisschen beeilen würden, wir noch an diesem Tag in Barrie ankommen konnten und somit dem vorhergesagten Schneegestöber einfach davonfahren würden. Also düsten wir los und hielten nur ganz kurz bei Burger-King um uns mit einem Double-Bacon-Cheesburger mit French Fries und einer Cola zu stärken. Der eisige Wind der uns um die Nase bliess verriet uns, dass der Schnee nicht mehr lange auf sich warten liess. Völlig unbewusst wurden wir immer schneller; oder passten wir unsere Geschwindigkeit ganz einfach den verrückten Lastwagenfahrern mit ihren tonnenschweren Trucks an?

Es war ein unglaublicher Verkehr Richtung Toronto und ich zählte 1 Minute lang die uns auf der 4-spurigen Gegenfahrbahn entgegenkommenden Lastwagen: 80 Trucks kamen uns in nur 1 Minute entgegen. "Absolutely crazy!" Wir waren echt froh, als wir uns endlich auf der 20-spurigen Autobahn durch das Verkehrs-Chaos von Toronto hindurchgequält hatten. Oh boy, das sind noch Autobahnen!

Ganz herzlich und mit offenen Armen wurden wir in Barrie von unseren Englischlehrern Mary & Paul Wuergler empfangen. Sie hatten uns eigentlich erst etwa am Freitag erwartet, hatten aber mit unserer verfrühten Ankunft überhaupt keine Probleme.

So machten wir es uns in unserer Studentenwohnung gemütlich und waren die nächsten Tage damit beschäftigt, unsere vermissten Sachen einzukaufen und den Kardan unseres Töff’s auf Vordermann zu bringen (es war ganz einfach zuviel Öl im Kardangetriebe drin). Wir genossen es, uns am Kaminfeuer zu wärmen, als es tatsächlich ein Tag nach unserer Ankunft zu schneien begann.

Wir schauten uns mit Alan - einem Schweizer Eishockey-Spieler und Freund von Paul & Mary - die Playoff-Spiele der Eishockey-Meisterschaft an und quatschten mit ihm über alles mögliche. Vor allem aber über seinen mehrmonatigen Kanada-Aufenthalt und seine Erfahrungen als Goali in diversen kanadischen Hockey-Mannschaften.

Wir hatten in diesen paar wenigen Tagen, in denen wir uns mit ihm die Studentenwohnung teilten, sehr viel Spass zusammen, so dass es wirklich Schade war, als er uns so bald schon verlassen musste. So nahmen wir in diesen Tagen von zwei Hockey-Idolen Abschied: von Alan Gerber und Wayne Gretzki (berühmter kanadischer Hockeyspieler, der seine Karriere an den Nagel hängte). Schniff, schniff!

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